Archiv der Kategorie: Bergsteigen

Die Zukunft der alpinen Führerliteratur

Manches war früher einfacher. Die Tourenplanung erfolgte mit dem Alpenvereinsführer und der entsprechenden Alpenvereinskarte. In der Schweiz mit dem SAC Clubführer und der Schweizer Landeskarte. Die Alpenvereinsführer deckten mehr oder weniger alle Spielarten vom Talspaziergang, über die klassische Kletterroute, zum Eisanstieg bis zur Skitour ab. Auf Grund der Fülle der unterzubringenden Informationen waren sie naturgegeben auch sehr kurz gefasst oder auch ungenau. Nach und nach folgten die Spezialführer und später das Internet. Hat die klassische Führerliteratur noch eine Zukunft? Die Zukunft der alpinen Führerliteratur weiterlesen

Chachany, einer der leichtesten 6000er

Im trockenen Südwesten Perus stehen eine Reihe 6000er, die meist ohne besondere technische Schwierigkeiten zu besteigen sind. Auf Grund des trockenen Klimas und des Wassermangels können Tragtiere für die Zustiege kaum eingesetzt werden. Der logistische Aufwand um überhaupt an den Sockel des erstrebten Berges zu gelangen ist mit unter enorm.  Am Chachany halten sich die logistischen Hürden in Grenzen. Damit ist dieser mächtige Vulkan wohl einer der leichtesten 6000er Amerikas.

Trotzdem haben wir uns dafür entschieden ausgerechnet diesen leichten Gipfel in einer organisierten Gruppe, mit einem Bergführer zu besteigen.

 Zwei Fragen tauchten darauf hin auf:

  1. Welches ist überhaupt der leichteste 6000er?
  2. Gilt ein Gipfel, für dessen Besteigung man einen Bergführer bucht, als bestiegen?

Fragen, auf die es keine eindeutigen Antworten gibt. Chachany, einer der leichtesten 6000er weiterlesen

Krottenspitzen – Der längste Allgäuer Grat

Der markante Krottenspitzengrat mit seinen gegenläufig ausgerichteten Hörnern der Krottenspitze und des Krummen Turms  erstreckt sich landschaftsprägend über dem Oberstdorfer Talkessel. Die Überschreitung des gesamten Grates stellt eine der eindrucksvollsten und längsten Grattouren des Allgäus dar. Trotzdem erhalten die zahlreichen Zacken dieses Grates nur selten Besuch. Zu schwierig für den Wanderer und den normalen Bergsteiger, zu kurz die richtigen Kletterstellen, zu lang der Zustieg, zu viele Schrofenpassagen für den alpinen Kletterer. Der stete Wechsel zwischen leichtem und schwerem Gelände kostet Zeit und fordert eine angepasste Seiltechnik. Krottenspitzen – Der längste Allgäuer Grat weiterlesen

Dent de Herens – Einsamer 4000er

Der Dent d`Herens zählt zu den abgelegensten und selten besteigenen Viertausendern. Von der Schwierigkeit des Normalweges ist er  im mittleren Bereich anzusiedeln. Leichter als Matterhorn oder Weißhorn, schwieriger als Dom, Weißmies und Strahlhorn. Der Zustieg von Zermatt ist elend lang und unterhalb des Tiefmattenjochs schwierig und heikel. Zudem versteckt er sich hinter den ungleich prestigeträchtigeren Bergen wie Matterhorn, Monte Rosa und Dent Blanche.  Was von der Schweizer Seite über den Zustieg zu sagen ist (lang und aufwendig), das gilt von der italienischen Seite für die Anfahrt. So machen sich trotz seiner eleganten Gestalt nur wenige Bergsteiger daran, seine schmale Spitze erobern. Von Norden kommend, zählt das  wunderschön ursprüngliche Valpelline zu den Alpenregion mit der weitesten Anfahrt. Doch wer 4000er sammelt, muss irgend wann einmal dorthin. Dent de Herens – Einsamer 4000er weiterlesen

Hütte geschlossen, Winterraum überfüllt – Wann sollte eine Hütte bewirtschaftet werden?

Allerheiligen Anfang der 90ger Jahre. Wir waren zu viert zur Hermann-von Barthütte aufgestiegen um dort ein Kletterwochenende zu verbringen. Nach einem grau-trüben Oktober schien es, als würde der Sommer nochmal ein Stelldichein halten. Plus 20 Grad sind angesagt. Wir erreichen die Hütte, die erwartungsgemäß verschlossen ist und belegen im Winterraum vier Plätze. Dann wenden wir uns der Wolfebnerspitze zu. Im sonnenwarmen Fels ist es herrlich zu klettern. Vom Gipfel aus beobachten wir, dass um die Hütte reichlich Betrieb herrscht. Wollen die alle dort übernachten? Im Winterraum mit gerade mal 12 Plätzen. Werden wohl nur Tageswanderer sein. Wir Klettern noch eine zweite Route. Beim Abstieg wird es langsam dämmrig. Rund um die Hütte stehen noch mehr Leute und immer noch sind welche dorthin unterwegs. Wie viele werden es sein. 20? 40? Oder gar 60?
An der Hütte Chaos. Meine auf dem Lager deponierte Ausrüstung ist kaum zu finden. Meine Wasserflaschen sind leer. Alles drängt sich um den Ofen um zu Kochen. Wir haben wenigsten einen Gaskocher dabei. Sollen wir jetzt noch absteigen und nach Hause fahren? Oder eine Decke Schnappen und biwakieren? So richtig spaßig ist beides nicht. Wo im Gedränge und unter den Bergen von Rucksäcken sind überhaupt die am Morgen deponierten Sachen? Da plötzlich eine „erlösende“ Meldung. Das Haupthaus ist offen. Durch das Küchenfenster kann man ins Innere steigen. Jetzt findet jeder einen Platz.
Hoffentlich lässt dich das Fenster wieder schließen, so dass im Winter kein Schnee ins Innere gelangt. Nach einer Weile haben wir auch unsere Sachen wieder gefunden und sogar der ursprünglich belegte Platz im Winterraum ist wieder frei. Alles gut? Eigentlich nicht. Warum sind die Hütten an so einem Traumwochenende und bei diesem Andrang eigentlich geschlossen? Hütte geschlossen, Winterraum überfüllt – Wann sollte eine Hütte bewirtschaftet werden? weiterlesen

Wenn der Föhn durchbricht

Manchmal geht alles ganz schnell. Im Zuge der Wettersteinumrundung mit dem Mountainbike habe ich mich Ende Oktober 2015 für einen Abstecher zum Hochwanner entschieden. Dieser Abstecher hat sich gelohnt. Plötzlich brach der Föhn, aus dem oberen Inntal kommend, durch. Innhalb einer halben Stunde wandelte sich der bleigraue Herbsttag in einen sonnigen Oktobernachmittag. Wenn der Föhn durchbricht weiterlesen

Neuer Gipfel in den Allgäuer Alpen sucht einen Namen

367 Gipfel  über 1000 m zählt die Liste der Gipfel der Allgäuer Alpen in der Wikipedia.(Okt. 2015) Laut UIAA handelt es sich um einen Gipfel, wenn die Schartenhöhe, also die Prominenz mehr als 30 Meter beträgt.

In den Alpen gilt nach einer von der UIAA getroffenen Festlegung eine Erhebung als Gipfel, wenn ihre Schartenhöhe mindestens 30 Meter beträgt.Um bei einem Gipfel auch von einem eigenständigen Berg zu sprechen, werden für die Alpen ein Mindestmaß von ca. 100[ bis 300 Metern Schartenhöhe genannt. Im Himalaya sind sogar 500 Meter als Wert zu finden

Manche markanten  Berge wie der Giebel oder der Breitenberg fehlen, da ihnen mangels Schartenüberhöhung die Gipfeleigenschaft fehlt. Ein nach seiner Schartenüberhöhung gemessener sehr eigenständiger Gipfel fehlt ebenfalls, obwohl er an Prominenz so manchen bekannten Gipfel der Allgäuer Alpen übertrifft. Wohl nur deshalb, weil er keinen Namen trägt. Die Rede ist von dem markanten Felskopf im Ostgrat des Hochvogels.

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Hochvogel Ostgrat

Nachdem ich mich als Jugendlicher an diesem Grat schon mal versucht hatte, geriet diese Tour bei mir über Jahre hinweg in Vergessenheit. Zu brüchig, zu schwierig als Solotour, zu leicht als Klettertour, zu entlegen usw. In Erinnerung geblieben sind mir  haarsträubende Abseilmanöver und ein Abbruch der Tour  nach Süden. Doch immer wieder sticht dieser Grat mit seinen markanten Scharten von der Fuchskarspitze oder dem Jubiläumsweg ins Auge. Ein Eintrag bei http://www.gipfelbuch.ch/ rief die Tour wieder in Erinnerung. Es wurden weitere Begehungen bekannt und schließlich wurde das Anforderungsprofil schärfer und die nötige Ausrüstung deutlich. Im Oktober 2015 war es dann so weit. Hochvogel Ostgrat weiterlesen

Matterhorn – Ein Permit durch die Hintertür

In vielen Ländern mit der Rechtstradition des Common Law   ist das private Grundeigentum stark geschützt und der Zugang zur Natur reglementiert. Häufig ist für eine Bergbesteigung ein Permit notwendig, wie man das aus Nordamerika oder dem Himalaya kennt. Im Bereich der römisch-deutschen oder gar der Nordischen Rechtsordnungen haben die mit dem Grundeigentum verbundenen sozialen Verpflichtungen einen höheren Stellenwert. Das heißt, dass  die Natur traditionell frei zugänglich ist. Das System aus Permit und Genehmigungen ist unüblich.
Da der Deutsche, Schweizer, Österreicher gerne regelt, gibt es besonders in touristischen Hochburgen immer öfters Bestrebungen den freien Zugang zur Natur zu beschränken bzw. von der Zahlung eines Geldbetrages abhängig zu machen. Meist stehen diesen Bestrebungen die Rechtstraditionen des Heimatlandes im Wege. In Zermatt hat man es aber geschafft ein Permit  für das Matterhorn durch die Hintertüre einzuführen.

150,– Franken !!! muss der Bergsteiger für eine Übernachtung in der Hörnlihütte bezahlen, die der Burgermeinde Zermatt gehört.  Einfach zu biwakieren, wenn man diesen Wucherpreis nicht bezahlen möchte oder wenn die Hütte ausgebucht ist, geht nicht. Der Bergsteiger ist faktisch gezwungen eine überteuerte Hüttenübernachtung zu buchen. Ein Permit und eine Zugangsbeschränkung durch die Hintertüre. Sogar die Polizei macht Jagd auf Wildcamper.
Natürlich wird dieser Wucher dem Zeitgeist entsprechend mit den Begriffen Naturschutz und Nachhaltigkeit umschrieben. Werfen wir ein Blick auf die Webseite der Hörnlihütte

Auszüge daraus:

Das neue Energie-Versorgungs-System wird einen nachhaltigen, effizienten und reibungslosen Betrieb der Hütte gewährleisten.#

Preis: CHF 150.- pro Person inkl. HP = Nachtessen (ohne Getränke) um 18:30 Uhr, Frühstück#

Die Hörnlihütte hat neu 130 Plätze und ist jeweils von Juli bis September geöffnet.#

Camping verboten#

  •  Total 34 Zimmer
    •    4 Zimmer mit 8 Betten
    •   10 Zimmer mit 6 Betten
    •    6 Zimmer mit 4 Betten
    •    3 Zimmer mit 3 Betten
  • Nasszellen / WC’s und Dusche auf der Etage
  •  Zusätzlich     2 Suiten mit eigener Dusche/ Nasszelle/ WC
  • Aufenthaltsraum für 130 Personen
  •  WiFi auf der Terrasse und im Aufenthaltsraum#

Der Wirt der Hörnlihütte in „Blick.ch. Vollständiger Artikel siehe dort

.Im Gegensatz zu mir sind die Polizisten berechtigt, Wildcamper wegzuschicken und wenn nötig auch zu büssen.» Die Beamten stehen vom Tag der Eröffnung des Base Camps an im Einsatz und schauen für Recht und Ordnung. Das sei dringend nötig, sagt Lauber. «Wildcampen ist im sensiblen hochalpinen Gebiet besonders schädlich

Sich in diesem Fall auf ein „sensibles hochalpines Gebiet“ zu berufen, ist an Dummheit und Ignoranz kaum zu überbieten. Kaum ein Alpental ist so verbaut und verdrahtet wie Zermatt. Hinzu kommt der ständige Lärm von  Helirundflüge. Diese Auswüchse sind scheinbar nicht besonders schädlich.

Wie auf´s Matterhorn?
Da es nur wenige Bergsteiger dazu in der Lage sind, das Matterhorn von Zermatt oder vom Schwarzsee aus als Tagestour zu besteigen, bleibt am Hörnligrat nichts anderes übrig, als langfristig zu reservieren und diesen Wucherpreis für einen Luxus, den man dort oben gar nicht braucht zu bezahlen.

Der Zmuttgrat ist  wesentlich anspruchsvoller und weist selten gute Verhältnisse auf.  Durchaus sinnvoll erscheint es, den Gipfel von Italien aus zu versuchen. Engpässe auf der Hütte sind dort zwar bei guten Verhältnissen zu erwarten, jedoch spricht nichts gegen ein Biwak unterhalb der Südwand. Nach Breuil mag zwar für viele die Anfahrt ein bisschen länger sein, jedoch besteht von dieser Seite aus nach wie vor die Möglichkeit, bei passenden Verhältnissen spontan aufzubrechen und notfalls auch zu biwakieren, wenn die Hütten belegt sind. Als angenehme Begleiterscheinung kann man nach der Tour in Italien Rotwein und Pizza zu einem Preis genießen, für den des in Zermatt nicht mal eine Vorspeise gibt.

Allgemeines Statment

Allgemeines Statement
Grundsätzlich sollte man eine vorhandene Hütte auch benutzen, vorausgesetzt ein Platz ist vorhanden und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Wer auf 3200 m Luxus konsumiert, soll dafür auch einen entsprechenden Preis entrichten. Nicht in Ordnung ist es, den Bergsteiger zu diesem Konsum zu zwingen, wenn er über den Hörnligrat aufs Matterhorn will. Bei einer vollen Hütte oder 150,– CHF über eine Hüttenübernachtung ist Biwakieren ein legitimes Ausweichverhalten.

Will man in einem Alpental ohne Industrie der Bevölkerung Arbeit und Brot bieten, so ist eine gewisse touristische Erschließung nötig. Dazu gehören auch Skigebiete, deren Verfügbarkeit in der Saison auch mit künstlicher Beschneiung sichergestellt wird. Das ist eine gewisse Notwendigkeit, will man Abwanderung oder Fernpendeln verhindern. Der Grad der Erschließung beginnend von unschönen Hotelbauten bis hin zu lärmenden Helirundflügen überschreitet in Zermatt das Maß des verträglichen. Sich dann angesichts ein paar Zelte am Fuß des Matterhorns auf Naturschutz und Nachhaltigkeit zu berufen ist an Dummheit und Heuchlerei kaum zu überbieten.

Um eine spontane Besteigung zu ermöglichen, sollte ein Biwakbereich mit Toiletten gegen eine geringe Gebühr zur Verfügung stehen.

Ich stand bisher zwei mal auf dem Matterhorn. Falls es ein Drittes mal gibt, dann von Italien aus. Ich entscheide gerne spontan, den Verhältnissen angepasst, an welchem Tag ich einen Gipfel besteige und wann ich am Morgen aufbreche.