Archiv der Kategorie: Deutschland

Rappenköpfle – Publikumswirksame Steilgrastour

Durchaus interessant, bisweilen auch erheiternd ist es, an einem Sommernachmittag den Gesprächen zu lauschen, die sich ergeben, wenn die Hüttengäste auf der Terrasse der Rappenseehütte einen Bergsteiger auf dem Rappenköpfle entdeckt haben. Wie kommt der den da rauf? Wie kommt man da wieder runter?. Oooh…! Guck mal da klettert einer! Für das durchschnittliche Publikum der Rappenseehütte, dass sich überwiegend aus Bergwanderern mit Ziel Heilbronner Weg zusammensetzt, ist dieser Gipfel auch unerreichbar. Wer allgäu-typisches  Steilgras, gewürzt von kurzer, brüchiger Kletterei nicht scheut, dem bietet sich dieser Gipfel als eindrucksvoller Schlussakt der Rappenseeumrundung an. Oder aber auch als relativ kurze Nachmittagstour, sofern man den Zustieg mit dem Bike abkürzen kann. Rappenköpfle – Publikumswirksame Steilgrastour weiterlesen

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Was wählt ein Allgäuer Bergsteiger?

Angesichts der  Bundestagswahlen 2017  hatte ich an die sechs Parteien, die am 24.9.2017 in den Bundestag gewählt werden  einige Fragen aus Sicht eines Allgäuer Bergsteigers gestellt. Da die Fragen allesamt lokalen Bezug haben, habe ich diese an die Abteilungen der jeweiligen Parteien im Landkreis Oberallgäu geschickt und zusätzlich an den Direktkandidaten für den Wahlkreis Oberallgäu-Lindau. Ebenfalls  ergingen die Fragen noch an zwei Parteien von regionaler Bedeutung.

Genauer gesagt an:

AfD, CSU, FDP, Freie Wähler, Grüne, Linke, ÖDP und SPD

Nun war ich mit meiner Frage wohl etwas zu spät dran, so dass relevante Rückmeldungen erst kurz vor dem Wahltag eingingen. Ich habe mich daher entschieden, die Antworten vor der Landtagswahl in Bayern zu veröffentlichen. Was wählt ein Allgäuer Bergsteiger? weiterlesen

Mountainbiken im Oberallgäu

Geländebedingt könnte das südliche Allgäu ein Paradies für Mountainbiker sein. Zwischen dem schroffen Allgäuer Hochalpen und den voralpinen Hügeln erstrecken sich die Vorberge, die mit einem dichten Netz von Forststraßen und Wegen unterschiedlicher Steilheit und Breite durchzogen sind. Ein Paradies für Mountainbiker, wären da nicht undurchsichtige, kaum nachvollziehbare gesetzliche Regelungen. Jahrelang ging alles gut. Die verstaubten Regelungen lagen unbeachtet in den Schubladen. In vergangen Sommer kam es im Naturpark Nagelfluhkette vermehrt zu Konflikten. Die eigentlich seit 1992 bestehenden Verbote, von denen kaum jemand wusste und die folglich nie beachtet wurden, waren plötzlich wieder aktuell. Da es für den Freizeitsportler ohne aufwendige Recherche unmöglich ist, zu erkennen, wo nun ein Verbot gilt und wo nicht. Eine Kennzeichnung, die nur mit einem unschönen Schilderwald zu bewerkstelligen wäre, unterblieben ist und auch Kontrollen angekündigt wurden, stellt sich die Frage, ob das Allgäu für den sportlich aktiven Gast eine geeignete Urlaubsregion ist und wie die Einheimischen damit umgehen sollen. Mountainbiken im Oberallgäu weiterlesen

Schrecksee – das Ausnahmeverbrechen und der böse Wolf

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Ein Ausnahmeverbrechen ist eine Straftat, die so bedeutend ist, dass sie über Jahre hinweg immer wieder in den Medien präsent ist. Ein Mord, sofern er keinen muslimischen oder rechtsextremen Hintergrund hat, ist, gemessen an der Medienpräsenz kein Ausnahmeverbrechen. Die verbrannten Zaunpfähle am Schrecksee aber sehr wohl.

Dann war da in diesem Sommer noch ein Wolf, der zwischen zwei schlafenden Biwakieren einen Rucksack geklaut hat, um an die daran befindlichen Lebensmittel zu gelangen. Das sich ein Wolf so nahe an den Menschen annähert ist durchaus ungewöhnlich. Aber es zeigt, dass die Natur sich selbst, ohne Polizei, Schilder und Verbote gegen zu viel Biwakierer dort oben hilft. Schrecksee – das Ausnahmeverbrechen und der böse Wolf weiterlesen

Der Schmugglerpfad

Die Allgäuer und Tiroler Touristiker haben zur Bespaßung für vorwiegend jüngere Touristen und hier vor allem für Familien mit  Kindern den Schmugglerpfad von Schattwald nach Oberjoch zur spielerischen Attraktion ausgebaut. Man leiht sich Kleidung und Ausrüstung aus und schlüpft in die Rolle des Zöllners oder des Schmugglers.  Für Kinder und jung gebliebene Erwachsene ein Riesenpass mit einem realem, wenn auch in dieser Form nicht mehr zeitgemäßem Hintergrund. Spielerisch erlebt man, wie die einheimische Bevölkerung versuchte,  vor der Einführung des europäischen Binnenmarktes, die Staatsmacht auszutricksen um dabei Steuern und Abgaben zu sparen. Die Grenzpolizei auszutricksen wurde im Allgäu und Tirol schon immer sportlich gesehen. Ist das nun einfach ein Riesenspass oder das spielerische Heranführen an eine Straftat? Ein paar spitzfindige und nicht 100%ig ernst gemeinte Gedanken dazu. Der Schmugglerpfad weiterlesen

Über die/den Nordwestgrat*In auf die Große Daumen – Neusprech für Alpinist*Innen.

Mit politkorrekter Sprache, Gender und ähnlichen gesellschaftlichen Trends des Zeitgeistes hat man als Bergsteiger eher selten zu tun. Dieser Themenkomplex hat eher das Potential zur Belustigung an einem   feucht-fröhlichen Hüttenabend, als alpine Relevanz. Da gibt es eine Uni, bei der Lehrkräfte mit „Herr Professorin“ anzusprechen sind (ernst gemeint!!), eine Partei stellt einen Antrag, mit Formulierungen , wie „der/die ComputerIn“ die Gendergerechtigkeit herzustellen. Der Alpenverein hatte in seiner Geschichte nicht selten die Vorreiterrolle, die politkorrekten Dämlichkeiten des jeweiligen Zeitgeistes in den Alpinismus einzuführen. So werden  inzwischen in der Knotenpunkt genannten Kolumne des DAV Panorama fleißig mit * Sternchen und großem I Worte auseinander gerissen um die Gendergerechtigkeit herzustellen.  Na dann wollten wir mal nicht so sein und liefern daher eine 100% gendergerechte und politkorrekte Tourenbeschreibung. Über die/den Nordwestgrat*In auf die Große Daumen – Neusprech für Alpinist*Innen. weiterlesen

Riedberger Horn- Ende gut- Alles gut? Leider Nein!

Ganz im Gegensatz zu seinen bisherigen Stellungnahmen hat der bayerische Ministerpräsident Markus Süden der umstrittenen Skiverbindung zwischen Balderschwang und Grasgehren eine Absage erteilt.

Auf den ersten Blick hätte es nicht besser laufen können. Die auf die geplante Erschließung unvermeidlich folgende Diskussion um Ausgleichsflächen, Sperrgebiete und Besucherlenkung ist die Grundlage entzogen und das Projekt ist nicht an einer Klage eines Bergsteigerverbandes gescheitert. Wir sind also im Auge der Einheimischen vor Ort nicht die Bösen, die überall hin wollen und gegen alles sind.

Bei genauerer Betrachtung bleibt mehr als ein bitterer Nachgeschmack und einige Fragezeichen. Riedberger Horn- Ende gut- Alles gut? Leider Nein! weiterlesen

Wollt ihr den totalen Berg!

Was im Allgäu im Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz schief läuft.

Wollt ihr den totalen Berg? Dieses Plakat, dass an einer Bushaltestelle bei Fischen angebracht war, musste ich einfach fotographisch festhalten. Als ich am nächsten Tag meine Kamera  dabei hatte, war es schon nicht mehr da. Aber nach einigen Recherchen habe ich doch noch ein Bild davon bekommen. Schon der Stil der 40er Jahre hat das Potential Empörung auf Knopfdruck auszulösen und Aufmerksamkeit zu erregen.

Anderseits habe ich bewusst  mit diesem Artikel gewartet, bis sich der Sturm der Entrüstung über die Änderung des Alpenplans, die Grundlage dafür ist, dass die Skischaukel am Riedberger Horn genehmigt werden kann, gelegt hat.

Bisher wurden nur die rechtlichen Grundlagen geschaffen, dass die Skischaukel genehmigt werden kann. Nicht mehr. Gleichzeitig lässt man am Grünten ein etabliertes Skigebiet in die Pleite rutschen, dass ohne ökologisch sensible Gebiete zu beeinträchtigen, ohne langwierige Prozesse leicht zu modernisieren gewesen wäre. Wollt ihr den totalen Berg! weiterlesen

Fehlentwicklungen auf Alpenvereinshütten

Im Zeitraum von etwa 1870 bis zum Beginn des zweiten Weltkriegs wurden von Alpenverein (damals noch DuOeAV) zahlreiche Hütten in den Alpen errichtet, um ihren satzungsgemäßen Auftrag zu erfüllen. Dieser lautete sinngemäß „Bergfahrten in den Alpen zu fördern und erleichtern“ . Erst nach und nach brachten steigende Besucherzahlung die Notwendigkeit mit sich, eine Hütte zu bewirtschaften. Der Umfang der Bewirtung und der nötige Komfort stellten seit jeher ein Streitthema dar.

In den Nürnberger Leitsätzen von 1919 wurde beschlossen, dass die Ausübung, Ausbildung und Förderung des Bergsteigens die Kernaufgabe des Alpenvereins sei. Künftige Hütten sollten nur bergsteigerischen Interessen dienen, überflüssiger Komfort auf den Hütten wurde abgelehnt. Ruhe, Ursprünglichkeit und ungestörter Naturgenuss sollte in den Alpen bewahrt werden und die hochalpinen Regionen nur den Bergsteigern vorbehalten bleiben.

Von diesem Ideal sind die bewirteten Alpenvereinshütten weit entfernt. Völlig richtig ist es, dass man Komfort, Technik, Brandschutz, Entsorgung usw.  an den technischen Fortschritt anpasst. Über das, was ein überflüssiger!!! Komfort ist, kann man unterschiedlicher Meinung sein.  Dass eine Hütte nur bergsteigerischen Interessen dienen soll, darf nicht in Frage gestellt werden. Die beschriebene Situation betrachtet in erster Linie die Alpenvereinshütten in den Allgäuer Alpen, allerdings mit bewußtem Blick über den Tellerrand hinaus. Fehlentwicklungen auf Alpenvereinshütten weiterlesen

Neulich am Schrecksee: Medienhype und die Folgen

Der „schönste Bergsee der Alpen“ (lt. Bergwelten), oder das „Basiscamp für Umweltsünder“ (lt. Alpin) übt inzwischen eine magische Anziehungskraft auf die Menschen aus. Der Medienhype um das illegale Zelten sorgt für zusätzliche Publicity. Auch Bad Hindelang wirbt immer wieder mit Schreckseebilder. Also ein Ort, an dem man gewesen sein muss. So wie Neuschwanstein, Garmisch, Zermatt? Vielleicht nicht ganz. Auffällig ist jedoch, die Zunahme von Besuchern,  die keinen blassen Schimmer davon haben, dass sich dieses Schmuckstück im Hochgebirge befindet und nur zu Fuß zu erreichen ist. Besucher, die keinen blassen Schimmer von den Bergen  und deren Gefahren haben, die einfach mal drauf los spazieren und mehr oder weniger orientierungslos umherstapfen. Neulich am Schrecksee: Medienhype und die Folgen weiterlesen