Lawinenlage: Gefahrenstufen in Grenzregionen.

 

Diese Situation gibt es immer wieder. Die Lawinenwarndienste benachbarter Regionen geben eine unterschiedliche Gefahrenstufe heraus. Wir stehen auf einem Grenzberg. Die Staatsgrenze teilt einen Hang. Für den Alpenverein-geschulten Munterrechner, den Snowcardhinhalter, den Stop-or-Go-Entscheider  wird die Situation rasch zum Problem. Besonders dann, wenn er eine Gruppe führt oder die Garantenstellung hat.  Welcher Lagebericht hat nun recht?

Beide!  Um das zu verstehen, muss man wissen, was die Gefahrenstufe aussagt und wie der Lagebericht entsteht.

 

Die Gefahrenstufe wird gemäß der international gültigen „bayerischen Matrix“ von allen Lawinenwarndiensten nach dem selben Schema vergeben.

0001_Bayrische Matrix

http://www.avalanches.org/eaws/en/main_layer.php?layer=basics&id=3

Dabei werden in einer Region die Häufigkeit der Gefahrenstellen, die Auslösewahrscheinlichkeit und die potentielle Größe der möglichen Lawinen mittels der Matrix zugeordnet und die Gefahrenstufe herausgelesen.

Schneedeckenstabilitäten
Bei einem schwachen Altschneefundament im zentralalpinen Bereich könnte die Verteilung der Stabilität so aussehen. Je weiter man nach Süden kommt, desto mehr nehmen die Stellen mit schlechtem Schneedeckenaufbau zu. In dieser Grafik steht rot für sehr labil und grün für stabil. In den weißen Flächen liegen keine Erkenntnisse vor. Jeder Warndienst beurteilt nun die Gefahrenstellen in seiner Region und summiert diese. Das Ergebnis kann eine Abweichende Gefahrenstufe an einem Grenzberg sein.

 

Dabei gilt eine Gefahrenstufe immer für eine ganze Region z.B. das Allgäu, das Außerfern, der Bregenzer Wald usw.

Gaishorn und Rauhhorn
Welcher Hang ist sicherer? Der Nordhang des Gaishorns oder des Rauhhorns? Welchen Lagebericht ziehen wir heran?

 

Während sich in der Natur die Verhältnisse nur langsam ändern. Sukzessive von Berg zu Berg und von Tal zu Tal, kann es in den Lageberichten ein markante Änderung von einer oder gar zwei Gefahrenstufen geben.

Was ist also zu tun? Welchen Lagebericht ziehe ich zu Rate?

Viel wichtiger als die Zahl der Warnstufe zu fokusieren, ist es den jeweiligen Text zu lesen und in das Gelände der geplanten Tour zu übertragen. Wenn ich bei Stufe 2 einer der wenigen Gefahrenstellen erwische, so kann dies genau so fatal sein, als wenn man  bei Stufe 4 eine der häufig vorhanden Gefahrenstellen erwischt.  Oft steigt mit der Gefahrenstufe nur die Wahrscheinlichkeit so einen „hot-spot“ zu betreten.

Wo sind die Gefahrenstellen?

Warum gibt es sie?

Sind sie für mich relevant?

Kann ich sie vermeiden?

Dann entscheiden. Dabei vergleicht man natürlich beide Lageberichte auch dahingehend, welcher die vor Ort angetroffene Situation zutreffender beschreibt.

Wer sich unsicher ist, nehme den, der schlechter ist, also eine höhere Gefahrenstufe aufweist.

 

Um noch einen Bezug zu den Allgäuer Alpen herzustellen:

In den nah am Alpenrand gelegenen Tannheimer Bergen rund um das Füssner Jöchle (Tirol) neige ich dazu, mich eher auf den Bayerischen Lagebericht zu verlassen. In der Südspitze des Allgäues an der Rappenseehütte, beschreibt vielleicht der Tiroler Lagebericht die Situation zutreffender.

 

Zum Thema Interpretation des Lageberichts und zur Tourenplanung gibt es auch einen Vortrag:

https://freieberge.wordpress.com/2015/02/06/vortrag-tourenplanung/

 

 

 

 

 

 

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