Die Zukunft der alpinen Führerliteratur

Manches war früher einfacher. Die Tourenplanung erfolgte mit dem Alpenvereinsführer und der entsprechenden Alpenvereinskarte. In der Schweiz mit dem SAC Clubführer und der Schweizer Landeskarte. Die Alpenvereinsführer deckten mehr oder weniger alle Spielarten vom Talspaziergang, über die klassische Kletterroute, zum Eisanstieg bis zur Skitour ab. Auf Grund der Fülle der unterzubringenden Informationen waren sie naturgegeben auch sehr kurz gefasst oder auch ungenau. Nach und nach folgten die Spezialführer und später das Internet. Hat die klassische Führerliteratur noch eine Zukunft?

Der Alpenvereinsführer – das Maß aller Dinge

Die klassischen Alpenvereinsführer hatten einen Selbstanspruch auf weitgehende Vollständigkeit. Mit der Zeit wuchs die Anzahl der aufzunehmenden Touren ins unendliche. Zudem bedingt der Anspruch auf Genauigkeit, insbesondere bei anspruchsvollen Routen, umfangreichere Beschreibungen, mehr Bilder und Topo´s. Irgendwann war das Ganze nicht mehr in ein rucksacktaugliches Buch zu packen. Außerdem interessiert sich der Hüttenwanderer nicht dafür, ob man bei der Sportkletterroute „lost horizont“ (6c+/7a) zum klinken des dritten Bolts mit links einen versteckten Untergriff blockieren muss. Genau wenig will der Skialpinist wissen, dass man auf dem Wanderweg um dem Schlappoldsee besonders leicht seltene Alpenblumen und Murmeltiere bestaunen kann.

 

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Für Generationen die unverzichtbaren Klassiker zur Tourenplanung: Alpenvereinsführer und AV-Karte (Schweiz: SAC Clubführer und Landeskarte)

Spezialführer

Parallel zu den Alpenvereinsführern wurden die ersten Spezialführer herausgebracht. Meist waren es Sportkletterer und Skitourenführer. Eben Bereiche, die von den Alpenvereinsführern nur unzureichend abgedeckt wurden. Nach und nach erschienen dann Auswahlführer, Klettersteigführer, Mountainbikeführer und schließlich die wirklich spezialisierten Werke wie „Genußklettern Dolomiten im IV. und V. Grad“, Bergwandern mit Hund, Skitouren für Einsteiger, Kletterführer Schweiz extrem und Schweiz plaisir.

Gleichzeitig stellte der Bergverlag Rudolf Rother die Herausgabe der klassischen Alpenvereinsführer ein. Als Nachfolgeprodukt kamen die nach Schwierigkeit aufgeteilten Werke „alpin“ (bis III) und „extrem“ (ab IV) heraus. Auch diese Serie wird nach und nach eingestellt. So zum Beispiel für die Lechtaler Alpen.

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Neu und alt: Vergleich eines modernen Kletterführers (Panico Verlag) mit der Verbalbeschreibung des Alpenvereinsführers vom 1978

 

Verlorenes Wissen

Nachstehend die Antwort des Bergverlages Rudolf Rother zu meiner Anfrage nach einem Alpenvereinsführer „Lechtaler Alpen“

Hallo Herr Rath,

vielen Dank für Ihre Email und Ihr Interesse an unserem Verlagsprogramm.

Der Alpenvereinsführer Allgäuer Alpen und Ammergauer Alpen ist als 18. Auflage 2013 lieferbar:
https://www.rother.de/rother-alpenvereins-%20und%20gebietsf%FChrer-allg%E4uer%20und%20ammergauer%20alpen-1126.htm

Der Alpenvereinsführer Lechtaler Alpen ist leider restlos vergriffen und wird auch nicht mehr neu aufgelegt. Wir haben auch hier im Verlag kein Restexemplar mehr übrig. Die letzte Auflage war die 2. aus dem Jahr 2008.

Viel Glück bei der Suche und schöne Bergtouren

Die üblichen Skitouren, die typischen Kletterrouten, die Hüttenwanderungen und einige Gipfelanstiege werden sich in den Spezialführern wieder finden. Wo aber findet man künftig Touren wie den Krottenspitzengrat, die Höfatsüberschreitung, die Normalwege auf stolze Gipfel, wie Saxerspitze, Heiterwand, Pfeilspitze oder gar die Nordwandrouten auf die Heiterwand. Eben die klassischen Gratüberschreitungen und Felsanstiege von lokaler Bedeutung. Siehe hierzu auch: https://freieberge.wordpress.com/2015/09/27/rettet-unsere-schwarzen-wege/

Das Internet -Fluch und Segen

Das entstandene Vakuum wird durch das Internet gefüllt. Da im Internet jeder schreiben kann, was er will, ist es schwierig eine Information auf deren Qualität zu prüfen. Führer war der kurz gefasste AV Führer die einzige Informationsquelle für ein fremdes Gebiet, heute ersticken wir in Information und sind damit überfordert die Spreu von Weizen zu trennen.

 

Angefangen hat des mit den Tourenforum Basislager.ch (heute Gipfelbuch.ch)

Gefolgt sind weitere Foren unterschiedlichster Ausrichtung und Qualität. Später kamen private und kommerzielle Blogs hinzu und Facebook.

 

Der Vorteil liegt ganz klar auf der Hand. Änderungen und die aktuellen Verhältnisse können blitzschnell berücksichtigt werden. Das gleiche gilt für Sperrungen, Verbote aber auch bewussten Manipulationen.  Übertrieben positive Darstellungen von Bergschulen und Hüttenwirten um freie Plätze zu befüllen gehören ebenso dazu, wie das bewusste Verschweigen oder schlecht Reden um einen bestimmten Powderhang möglichst lange für sich alleine zu haben oder damit die Erschließer eines Klettergarten keinen Ärger mit Jagd und Naturschutz bekommen. Auch die alpine polit-correctness (Rauhfußhühner,  Nachhaltigkeit, Besucherlenkung, angebliche Biwak- oder Betretungsverbote, Lenkung zu teuren Parkplätzen) sowie Selbstdarstellungen und Übertreibungen müssen gefiltert werden.

Kurzer Überblick (bespielhaft mit subjektiver Wertung)

Gipfelbuch.ch

Der Nachfolger des allerersten Tourenforum. Beiträge über Verhältnisse. Zunehmend kommerzialisiert. Die bisher vom User erstellten Beschreibungen werden zunehmd durch Links zu diversen Verlagen ersetzt. Schwerpunkt: Schweiz, Vorarlberg, Allgäu (deutsch-alemannischer Sprachraum).

Tourentipp.de

Qualitativ hochwertiger Onlineführer, sowie Diskussionsforum  Schwerpunkt: Oberbayern, Nordtirol

Alpine Auskunft

von DAV, ÖAV und AVS bereitgestelltes Tourenportal. Schwerpunkt: Oberbayern, Österreich, Südtirol

Gulliver.it

italienischsprachiges Tourenportal. Schwerpunkt italienische Westalpen.

Hikr org.

Tourenportal mit Kommentarmöglichkeit. Ein Mischung zwischen Erlebnisberichten, Verhältnisinformationen und Onlineführer. Dementsprechend unterschiedliche Qualität für die Planung.

Almenrausch.at

Qualitativ hochwertiger Onlineführer. Schwerpunkt: Oberbayern, Nord- und Südtirol ohne Ausserfern

Skitour Paradise

Qualitativ hochwertiger Onlineführer.Schwerpunkt: Skitouren im Tiroler Oberland

Topo Guide

Kostenpflichtige, hochwertige  Topos zu Klettertouren meist im oberen Niveau

Sentres

Der Webauftritt des Athesiaverlages in Bozen. Gute Beschreibungen von Touren aller Art in Südtirol. Auch Topos von Kletterrouten (deutsch, englisch, italienisch)

Freie Berge

Wie das zu bewerten ist, überlasse ich dem Leser

Als ein in dieser Hinsicht konservativer Bergsteiger  verwende ich auf Tour immer noch Karte, Führer (Ausdruck aus dem Internet) und Kompass.  Wie die „Generation Smartphone“ plant, hat mir Lukas, Profiskibergsteiger aus dem Sellrain beschrieben

1. Googlen

2. Alle bei den Google-Ergebnissen seriösen Beiträge in mehreren Tabs nebeneinander öffnen

3. Wikipedia Artikel dazu durchlesen

4. Alles andere dazu durchlesen oder überfliegen und aussortieren, was für mich relevant ist

5. In AV Karte digital anschauen

6. In Kompass Karte online anschauen (weil markierte Wege viel schöner eingezeichnet)

7. Höhenmeter und Zeitbedarf ausrechnen nach Erfahrung und Begleitung. Immer mindestens 1 Stunde Zeitpolster.

8. Wenn offensichtlich langer Hatscher: Auch die km überschlagsmäßig ausrechnen

9. Karte versuchen dreidimensional im Kopf herauszuarbeiten, damit man eine ungefähre Vorstellung hat, wie das Gelände dort ausschaut und wo markante Geländepunkte sind

10. Wenn Wegfindung schwierig: noch in Google Earth anschauen oder in den Orthofotos vom Tiris (Vogis, geo.admin.ch usw.)

11. Beim Begehen der Tour, weil in mir unbekanntem Gebiet: Google Maps Route eingeben bis zum Parkplatz und Abbiegungen merken

12. Karte mit Handy abfotografieren, wenn analog nicht vorhanden oder nicht mit der App Apemap eingespeichert am Handy

13. Gehen und selbst schauen

Zukunft

Definitiv Priorität auf werbefinanzierten oder kostenpflichten,  hochwertigen Online Medien. Gedruckte  Führer im Mitnehmformat bleiben trotzdem bestehen. Ich werde, wie viele andere auch, weiterhin auf Tour auf den gedruckten Führer (oder den Ausdruck aus dem Internet)  und die gedruckte Karte setzen, da diese auch noch funktionieren, wenn  sie nass, sind, wenn sie mal runter gefallen sind oder kein Netz verfügbar ist.   Smartphone Bildschirme kann man im hellen Licht am Berg kaum lesen und beim gedruckten Werk kann niemals ein Akku leer werden. Mit GPS  Navigation möchte ich mich in der nächsten Zeit ausgiebig beschäftigen.

Projekt

Der Panico Verlag hat es mit seinem Führer über die Loferer- und Leonganger Steinberge wieder einen umfassenden Gebietsführer herausgebracht, der vermtulich in erster Linie die Einheimischen im weiteren Umkreis (eine Autostunde Entfernung) ansprechen wird.

Die Frage ob ein Interesse besteht, dass es, in gewisser Weise als nachfolgeprodukt der AV -Führer wieder ein möglichst allumfassendes Werk für die Allgäuer und die Lechtaler Alpen gibt, oder ob es reicht, sich die Infos über den Krottenspitzengrat, die Heitwandüberschreitung, Höfats, Pfeilspitze usw. aus diversen Quellen im Internet zu beschaffen. Über Rückmeldungen hierzu wäre ich dankbar.

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8 Kommentare zu “Die Zukunft der alpinen Führerliteratur”

  1. Servus Kristian,

    ich bin einige Jahre jünger als du und würde mich in etwa bei Lukas Ruetz einordnen was die (Ski-) Tourenplanung angeht. Wobei ich zusätzlich von Panico den Allgäuführer aus deiner Feder benutze und auch noch einige andere „analoge“ Werke, Karten etc hinzuziehe. Gerade was die Bebilderung (Aufstieg / Abfahrt) angeht bin ich hier bei Erstbegehungen oft sehr dankbar – war mir bishlang immer eine große Hilfe …

    Für mich persönlich machts die richtige Mischung aus digitaler und analoger Vorbereitung aus. Damit hats eigentlich bisher immer relativ gut geklappt.

    Danke für die guten Infos deinerseits, sowohl auf Tourentipp.de, aber primär im Panicoführer.

    Sportliche Grüße nach Hindelang
    Flo

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  2. Das mit den AV-Führern ist wirklich sehr schade… einen perfekten Ersatz gibt es wohl nicht. Der oben beschriebene Ansatz sich über diverse Kanäle zu informieren, zu vergleichen und sich selbst ein Bild der bevorstehenden Unternehmung zu „erarbeiten“ scheint wohl die beste (auch weil die gewissenhafteste) Art und Weise der Informationsbeschaffung.
    Ich persönlich benutze am liebsten das Portal outdoractive.com. Auch wenn die überwiegende Anzahl der Touren eher den 0815-Flachlandtiroler ansprechen dürfte, finden sich je nach Region eine ständig wachsende Anzahl an klassischen Berg-, Kletter-, Hoch- und Skitouren. Vor allem für selbstgeplante, unbekannte „Abenteuer“ ist das Portal aber in meinen Auge Gold wert: Hier stehen verschiedene digitale Kartengrundlagen zur Verfügung: OSM, Ortho-Foto, digitale AV-Karten in den DACH-Staaten, sowie amtl. Straßendaten in Deutschland (ATKIS) und der Schweiz (SWISSTOPO). Dazu ein Straßen- und Wegenetz, dass aktivitätsbezogen unterschiedliche Routing-Ergebnisse liefert. Wer also von Gipfel X auf Gipfel Y gehen will und dazwischen eine seilversicherte Stelle liegt, wird mit der Aktivität „Wandern“ wenn überhaupt nur über einen alternativen, einfacheren Aufstieg auf Gipfel Y gelangen. Bei der Aktivität „Bergsteigen“ hingegen gelangt man auf der direktesten Linie auf Gipfel Y. Hinzukommt eine automatische Berechnung der Distanz, sowie der Höhenmeter zwischen den Punkten. Die Qualität der Tourenbeschreibungen hängt natürlich stark von den Autoren ab und die amtlichen Straßendaten sind leider auch nicht perfekt, aber mit der Kommentarfunktion und der Möglichkeit aktuelle Bedingungen hinzuzufügen, können auch kritische Meinungen und Korrekturvorschläge geäußert werden.
    Auch die dazugehörige app ist für mich sehr hilfreich, obwohl ich meine Touren lieber lange im Voraus und dann auch gerne ausführlich zu Hause plane – das gehört für mich nämlich fast genauso selbstverständlich zum Gesamterlebnis „Bergsteigen“ dazu, wie die Unternehmung dann auch so wie in der Planung durchzuführen.

    Eine Beispielstour einer auch hier vorgestellten Runde gibt es hier:
    https://www.outdooractive.com/de/bergtour/kleinwalsertal/auf-schmalem-grat-zwischen-allgaeuer-alpen-und-lechquellengebirge/21032309/#dmdtab=oax-tab1

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  3. Ich lese die alten Lechtal AV – Führer immer wieder gerne auf dem Locus. Zum Einen enthalten sie wertvolles, fast vergessenes Wissen, zum Anderen gepaart mit lustigen Spekulationen über Routen, die von den Autoren nie begangen wurden (O-Ton: „Wir schätzen (aus der Ferne) die Schwierigkeiten dieser Aufstiegsroute um IV- ein.“) Man wird beim Lesen immer wieder förmlich in eine Art nostaligsches Flair zurückversetzt, in eine Zeit in denen es vor der Haustüre in den Lechtalern noch richtiges Abenteuer gab. Bergsteigen wie bei Hermann von Barth. Durch das Internet ging dieser letzte Funken Abenteuer verloren – nichts desto trotz schätze ich die qualitativ hochwertigsten Seiten dazu schon auch. In deiner Liste hättest du z.B. noch die Seite „www.festivaltour.de“ mit aufnehmen können. Diese Seite überzeugt mit Genauigkeit, Bebilderung und Informationen und Einschätzungen aus erster Hand. Die Führerliteratur ist auch immer ein Abbild ihrer Zeit. Wer kennt und klettert heute noch den damals als „schönste Kaminkletterei der Lechtaler Alpen“ gepiesenen Bacherkamin (V-)? In welches Buch würde diese Tour Einzug halten? Wo würde man die Infos dazu herbekommen? Ich glaube, gerade bei solchen Exoten – Touren ist es auch besonders toll, dass es kein Buch, kein Topo und (noch) keinen Internetbericht in aller Ausführlichkeit gibt.

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  4. Dass der Alpenvereinsführer für manche Gebiete nicht mehr aufgelegt werden soll, ist irritierend. So verfällt eine als selbstverständlich und sicher angenommene seriöse Informationsquelle. Ich habe aber den AV Fürer Allgäu, und der reicht mir für das Allgäu bis an mein Lebensende.

    Ich kann mir vorstellen, dass Sachen wie Krottenspitzengrat und Heiterwandüberschreitung (Führer „Extrem“) und auch anspruchsvolle Sachen im Lechtal von einer kleinen Zielgruppe verfolgt werden. Für solche riskanten Unternehmungen muss ich mich auch intensiver mit einer Sache auseinandersetzen, als im Zweifel eine halbe Seite im AV-Führer zu lesen. Der AV-Führer für selten begangene Sache reicht mMn dem routinierten Bergsteiger und Kletterer.

    Für mich ist es aus Sicht der Vermarktbarkeit ein starkes Zeichen, wenn Rother diese Führer einstellt. Zum einen kannibalisiert das Internet einen dicken Anteil des Umsatzes. Andererseits ist es ein Projekt von höchstem Aufwand, einen umfassenden Führer für das Lechtel, bis III, und ab IV, aufzustellen. Und auch die Routen im Turnus einer Dekade zu überarbeiten, damit dort keine veralteten Infos drinne stehen.

    Wenn es einen im Erstellen von Führerliteratur erfahrenen Bergsteiger mit umfassenden Überblick gibt, der dort „“mit relativ geringem Aufwand““ so etwas ausarbeiten kann, dann ist das sicher mehr als die halbe Miete. Allerdings denke ich, dass das immer noch ein Mammutprojekt kaum überschaubaren Ausmaßes ist.

    Ob das ganze ein kollossaler wirtschaftlicher Erfolg wird, oder ob überhaupt eine nennenswerte Zahl von Führern verkauft werden, das sei dahingestellt. Ich denke dass ein Führer Lechtal schon in einem Zeitraum von 5 – 10 Jahren durchaus in wenigstens einigermaßen nennenswerter Anzahl nachgefragt werden würde.

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  5. Hallo Kristian,

    Interessante Gedanken. Natürlich wäre es schade, wenn der gute alte AVF verschwinden würde. So ein Buch hat schon etwas – gerade auch nur mal zum Stöbern oder um einen Überblick über ein Gebiet zu bekommen.

    Dann muss man aber auch fairerweise sagen, dass je nach Gebirge in den AVFs auch mehr oder weniger viel Blödsinn drinsteht. In den Allgäuern, Lechtalern und Lechquellern halten sich die Schnitzer noch in Grenzen und Seibert versteht es ganz gut, neben den reinen Kletterstellen auch die Schwierigkeiten des Gehgeländes – gerade im Lechtal oft der entscheidende Faktor – in Worten zu beschrieben.

    Problematisch ist es aber, wenn beispielsweise im Verwall-Führer fast jeder Aufstieg als „Einser“ oder im übrigen „unschwierig“, „für Geübte leicht“ usw. beschrieben wird; in der Realität aber wohl meist ziemlich anspruchsvolles Gehgelände und sicherlich auch einige Zweier-Stellen anzutreffen sind. Ähnlich kritisch sind teilweise die (alten) SAC-Führer zu sehen (z.B: Rätikon, Silvretta), die für eisfreie Touren gerne mal pauschal ein „L wie Leicht“ ohne Angabe von Kletterschwierigkeiten vergeben, was von der einfachen Graswanderung bis zu üblen Schuttrinnen alles bedeuten kann.

    Hier bietet das Internet eine gute Korrekturmöglichkeit, wobei sich gerade die Bewertung von Gehgelände und damit letztlich auch des bergsteigerischen Gesamtanspruches mittels der T-Skala sehr gut bewährt hat. Sicherlich kann – teils muss – man hier immer mal über das eine oder andere diskutieren, aber im Großen und Ganzen ist das hilfreich, gerade für die scheinbar recht dünne „Mittelklasse“, die sich im weglosen T4, eventl. noch T5-Gelände wohlfühlt, jedoch nicht mehr im üblen T6-Schrofenverhau mit brüchigen Zweierstellen oder im 45+ Steilgrasgelände.

    Daher hat sich mittlerweile das Internet als Primärquelle bewährt – sofern man die Qualität und Bewertungsmaßstäbe verschiedener Portale und Autoren einschätzen kann – und der AVF dient dann eher der Verplausibilisierung.

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  6. Für alte (vergriffene) Bücher gibt’s Bibliotheken, die so was dauerhaft speichern. Aber das weiß heute niemand mehr.

    In deiner Online-Führer-Liste fehlt komplett Frankreich:
    https://www.camptocamp.org/ (war vor dem Softwareumstieg deutlich übersichtlicher, die verbalen Kletterinformationen sind oftmals aber so gut, dass man nicht mal ein Topo braucht)
    http://www.skitour.fr/
    (Von beiden Seiten bin ich jedes Mal beeindruckt, weil von vielen Schreibern ein ganz anderes Level getourt wird als in den deutschsprachigen Portalen)

    Und die Zukunft von Führern? Kostenlos, online, von wissenden Enthusiasten geschrieben, wie der hier: https://bisistal.ch/

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  7. Hallo Kristian,

    meiner Meinung nach ist es sehr schade, dass die kompakte Führerliteratur in Buchform nach und nach zurückgedrängt wird, was wohl vorrangig an der nachlassenden Nachfrage liegt. Ich kann die Verlage daher verstehen, wenn sie Neuauflagen nicht mehr priorisieren und einstellen.
    Dennoch bieten gerade die AVF eine grundlegende Basis für sämtliche Tourenplanungen, die kein Tourenbericht im Internet bieten kann. Es geht zum einen um die Übersichtlichkeit eines ganzen Gebietes, zum anderen um die kurzen, prägnanten Infos und das – aus meiner Sicht entscheidend – von einem einzigen Autor. Natürlich waren Touren, die noch vor 10 Jahren nur anhand des AVF und ohne Internet geplant und begangen wurden, manchmal so eine Art Lotterie. Man wusste ab und an nicht, was auf einen zukommen wird. Trotzdem bieten die Bewertungen eines einzigen Autors – im Gegensatz zu den Internetportalen mit zig Verfassern – eine gewisse Richtschnur, auf die man sich im Gesamten gesehen auch verlassen konnte.
    Ich würde deshalb immer wieder zum AVF greifen.

    Viele Grüße,

    Max

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