Lawinen- wie Plane ich eine Skitour?

Zum Planen einer Skitour gehört ganz wesentlich die Beurteilung der wahrscheinlichen Lawinengefahr. In den Alpenländern stehen in der Regel brauchbare Karten und Geländemodelle und  täglich aktuallisierte Lawinenlageberichte zur Verfügung. 

Statistische Methoden (Probabilistik)

Respräsentatives Schneeprofil (Analytik)

Einheimischenwissen und Bauchgefühl.

Alle Methoden haben ihre Berechtigung. Was wende ich wann an?

 

Meiner Ansicht nach gehören alle drei Bausteine zur Tourenplanung. Welcher überwiegt, dass ist eine Situationsentscheidung.

Beispiel 1. Probabilistik

Ich entscheide mich morgen für eine Skitour im Tessin. Mit der Probabilistik filtere ich heraus, welche Tour überhaupt in Frage kommt. Ich sortiere aus und habe großes Vertrauen in das Bulletin und in den Skitourenguru. Die anderen Bausteine spielen keine oder eine geringe Rolle. Einheimischenwissen habe ich nicht und eine Tour in dieser Schwierigkeit und Steilheit, die ich nicht kenne, begehe ich nur, wenn  die statistischen Methoden grün oder gelb anzeigen. Ich mache die Entscheidung nicht von einem einzelnen Schneeprofil abhängig.

Zudem lese ich das Schweizer Lawinenbulletin, betrachte die Landeskarte und filtere grob ob die angedachte Tour in Frage kommt. Dabei achte ich auch auf die Informationen im Text und schaue nicht nur auf die Gefahrenstufe.

Mit dem Skitourenguru auf den Piz Rotondo

Unterwegs zum Piz Rotondo. Da ich in dieser Region nichts über die Schneegeschichte des Winters weiß, die Tour nicht gekannt habe, plane ich mit Führer, Karte, Lawinenbulletin und statistischen Methoden. Der Skitourenguru ist hier für mich hilfreich

Bespiel 2.  Einheimischenwissen und Bauchgefühl

Früh werde ich durch das dumpfe Knallen der Lawinensprengung geweckt. Ich sehe, als es hell wird, das abgegangene Schneebrett im Steilhang oberhalb der Piste am Oberjoch, oder die Löcher im Schnee, weil sich kein Schneebrett gelöst hat. Ich steige neben der Piste hinauf und quere den Steilhang, obwohl Snowcard und Skitourenguru dunkelrot anzeigen. Die kleine, eingewehte Steilrinne kurz unterm Grat umgehe ich zu Fuß über eine freihgewehte Felsrippe. Diese Möglichkeit habe ich von zu Hause aus dem Fenster gesehen oder ich wusste auf Grund der Windrichtung, dass es möglich ist.  Hier entscheide ich nach Einheimischenwissen und Bauchgefühl.  Die anderen Bausteine spielen keine Rolle.

Der Iseler (hier im Mai 2019) Den durchaus steilen Schlussanstieg zum Grat beurteile ich nach täglichen Beobachtungen und Bauchgefühl

Beispiel 3. Schneeprofil

 Ich plane eine Skitour in der Arlbergregion.  Auf meiner letzten Klettertour Ende November in der Region habe ich gesehen,  dass der Steilhang zum Grat hinauf aper war und somit das im Lagebericht  genannte Altschneeproblem dort nicht vorhanden ist. Am Ende es schattigen Talgrundes ist aber noch ein Steilhang zu überwinden. War dieser Hang jetzt auch vor dem endgültigen zuschneien aper, oder besteht dort die Basis aus Schwimmschnee? Ich entscheide nach einem Schneeprofil, bzw. nach einem Blick in die Schneedecke.

Wie man ein Schneeprofil interpretiert hat Lukas zusammengefasst.

https://www.lukasruetz.at/2021/01/schneeprofil-lesen-interpretieren/

 

Fazit:

Für eine gute Probabilistik ist guter, vereinheitlichter Lagebericht wichtig. So wie es sich auch die Initiative IFALP wünscht.  Außerhalb der Alpen entfällt die Probabilistik vielfach. Schon aus diesem Grund müssen die anderen Bausteine weiterhin gelehrt werden.

Die Trefferquote der Probabilistik hängt extrem von den zu Grunde liegenden Daten ab, womit wir bei der größten Stärke und zugleich bei der Schwäche von Skitourenguru angelangt sind. Nämlich seine Verortung in der Schweiz mit seiner weltbesten Kartengrundlage und einem weitgehend guten und zutreffenden Lawinenbulletin. Ist die Kartengrundlage oder der Lagebericht schlecht oder fehlerhaft, so kann auch die Reduktionsmethode, die Snowcard, stop-or-go und der Skitourenguru keine guten Ergebnisse mehr liefern.

Wie man das am besten  der Masse vermittelt? Die Entscheidung mögen die Pädagogen treffen.

 

 

Ein Gedanke zu „Lawinen- wie Plane ich eine Skitour?“

  1. Ich plane Skitouren so:
    – Lawinenbildung und Gefahrenmuster kennen und verstehen lernen
    – Wetter (Temperatur, Niederschlag, Sonnenschein, Wind) anhand von Messwerten und Simulationen beobachten
    – Wetterinformationen und Lawinenlagebericht spezifisch auf Routentopographien interpretieren
    – Aktuelle Verhältnisberichte lesen
    – 3 x 3 Risikomanagement kennen und mehr oder weniger detailliert anwenden
    – Reduktionsmethode kennen und mehr oder weniger detailliert anwenden
    – einen Grundstock an Touren kennengelernt haben, die schneegünstig, individuell angenehm und risikoarm sind
    – mit anderen austauschen und Touren planen und im Gelände Abwägungen treffen
    – Blogs wie diesen lesen
    – die Ernsthaftigkeit immer erinnern
    – In der Planung immer möglichst viele Vorsichtsmaßnahmen treffen, damit möglichst immer noch eine Letze hält, wenn man in anderen Bereich etwas nicht erkannt oder nicht angemessen behandelt hat.

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