Messstationen

Die Messstationen der Lawinenwarndienste geben dem interessierten Nutzer wertvolle Hinweise zur aktuellen Situation. Als Ergänzung zum aktuellen Lagebericht oder aber um sich auf Basis des letzten verfügbaren Berichtes selbst einen aktuellen Lagebericht zu erstellen. Die Darstellung der veröffentlichten Daten ist von Land zu Land unterschiedlich, was die Lesbarkeit für den Anwender erschwert. Taupunkt, Wind, Strahlung, Oberflächentemperatur, Schneehöhe usw. Welche Daten können wir nutzen? Wäre eine einheitliche Darstellung sinnvoll?

Folgendes Szenario:

Wir planen eine Tour im Frühjahr. Zu Hause ist es sonnig und warm, die Blumen blühen im Garten, die Berge glänzen noch im makellosem weiß. Der Lawinenlagebericht schreibt von tageszeitlicher Erwärmung, der Wetterbericht kündigt im Laufe des kommenden Tages aufkommenden Föhn und zunehmende Bewölkung an. Die Anfahrt zum Ziel beträgt ca. eine Std. Also früh aufbrechen.
Ob es eine genussvolle Firntour wird oder ein Kampf mit Sulz und Bruchharsch hängt neben der tageszeitlichen Erwärmung vor allem mit der nächtlichen Abstrahlung ab. Damit verbunden ist das  Lawinenrisiko. In der Regel wird die aktuelle Situation im Lagebericht gut beschrieben. Doch dieser erscheint um 7.30 Uhr. Für die geplante Tour sollten wir da aber schon längst unterwegs sein. Was tun? Hat es „gscheit durchgefroren“ oder war die Nacht im Zielgebiet lau und mild?
Vor Aufbruch schauen wir zu Hause im Internet die Messstationen der Lawinenwarndienste an und erstellen uns aufbauend auf dem Bericht vom Vortag einen aktuellen Lagebericht. So kann schon zu Hause die Entscheidung getroffen werden, ob man wirklich aufbrechen soll, oder sich im Bett nochmal umdreht und den Tag dann anders zu verbringen.  Ist man erst am Zielort angelangt und stellt dort fest, dass es eben nicht passt, dann ist die Versuchung groß, es doch einfach mal zu versuchen. Schauen wir mal, dann sehen wir schon. Der Erste Schritt zum Unfall!

Ich frage mich oft, warum diese Vorgehensweise weder beim Alpenverein, bei der Bergwacht/Bergrettung noch bei den Bergführern Eingang in die Lehrmeinung gefunden hat. Vielleicht liegt es daran, dass die Darstellungen der Messwerte von Land zu Land einfach zu unterschiedlich sind und somit eine persönliche ambitionierte, intensive und regelmäßige Beschäftigung mit der Thematik Voraussetzung ist.
Nun gut, wenigstens in der Heimatregion sollte man dies mit der Zeit ganz gut im Griff bekommen.
Zunächst einmal sollte man sich im Klaren sein, welche Messstationen sinnvolle Daten abgeben. Das sind in der Regel jene, die auf halber Höhe liegen. Dort lagert sich der Schnee meist noch ohne zu viel Windeinfluss ab. In klaren Nächten ist es dort meist am wärmsten. Sprich wenn hier die Abstrahlung passt, dann sollte sie auf der gesamten Tour passen.

 

Lage der Messstationen
Die drei besten Messstationen in meiner bevorzugten Tourenregion liegen alle um die 1600 m, an einer ebenen windberuhigten Stelle und zeigen ehrliche Daten an. Sie liegen in drei Ländern und die Darstellung weicht erheblich ab.

 

Fellhorn 6.2.2016
Die Messstation Fellhorn des Bayerischen Lawinenwarndienstes. Es werden nur wenige Daten zur Verfügung gestellt. Die Darstellung ist gut lesbar und überlichtlich.

xx

Jöchlspitze 6.2.2016
Die Messstation Jöchlspitze des Tiroler Lawinenwarndienst. Es werden eine Vielzahl von Daten zur Verfügung gestellt. Vor allem der Profi kann daraus eine Vielzahl von wertvollen Rückschlüssen ziehen. Die Darstellung und die Lesbarkeit könnte verbessert werden.

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Walmendiger Horn, 6.2.2016
Die Messstation Walmendinger Horn des Vorarlberger Lawinenwarndienstes. Die Grafiken sind leicht lesbar. Das größte Manko ist das Fehlen der Oberflächentemperatur, was vor allem bei Frühjahrsverhältnissen ärgerlich ist.
Fellhorn Rohdaten
Unbearbeitete Rohdaten der Station Fellhorn:

Die Lawinenwarndienste selbst können  auf wesentlich mehr Daten zugreifen. Diese unbearbeitet zu veröffentlichen würde wirklich keinen Sinn machen, da man mit der Vielzahl der Informationen den Leser nur abschrecken würde.

Fazit:
Die Messdaten bieten wertvolle Zusatzinformationen für all jene, die sich intensiv mit der Materie Schnee, Wetter und Lawinen befassen.
Das Thema sollte in die Ausbildung von Bergführern und entsprechenden Tourenführern beim Alpenverein mit aufgenommen werden.
Eine einheitliche Darstellung der Daten sollte Ziel der europäischen Warndienste sein.

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Zur Verfügung gestellt werden sollten: Schneehöhe, Windgeschwindigkeit, Windrichtung, rel. Luftfeuchte, Luft- und Oberflächentemperatur und der Taupunkt.

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2 Kommentare zu “Messstationen”

  1. Servus Kristian,
    danke für deinen Artikel. Ich mache mir auch immer wieder Gedanken zu dem Thema Messstationen und deren Mehrwert. Hier meine Ausführung dazu.

    Du schreibst in deinem Bericht von der Sinnhaftigkeit des Messstandorts bzw. der Sinnhaftigkeit der gemessenen Daten. Dies ist, denke ich, eines der grössten Probleme. Denn, was ist ein sinnvoller Messstandort, oder gibt es einen sinnvollen oder weniger sinnvollen? Dies kommt immer auf die Fragestellung an, dies schreibst du ja auch.
    Möchte ich z.B. einen korrekt gemessenen Wind, sprich Windrichtung und Windgeschwindigkeit, der die Synoptische Wettersituation gut abbildet, dann sind Stationen in mittleren Lagen eventuell nicht das Wahre. Hier stelle ich doch besser den Windgeber möglichst frei auf, so dass dieser nicht von Hindernissen beeinflusst wird (im Gebirge eh schwer genug). Somit zeigt mir die Station auch wirklich z.B. den Südföhn, mit den entsprechenden Böen usw. an. Die gemessenen Werte entsprechen somit beim Wind zu 100 % der Wetterlage. Andersherum möchte ich Fragen, wie wirkt sich diese oder jene Wetterlage in einem Tal, Leehang usw. aus, dann macht es natürlich schon Sinn den Windmesser der Fragestellung angepasst aufzustellen. Da bringt dann der exponierte Standort eventuell weniger.

    Nun noch ein kleiner Gedanke zum Schnee. Die repräsentative Schneehöhenmessung im Gebirge, wie auch die Messung des Niederschlags im Allgemeinen, ist wahrscheinlich die am meisten fehlerbehaftetste Messung. Die Wetterdienste sind natürlich an einem „guten Messwert“ der dem reellen Wert am Nächsten kommt interessiert. Hier spielen klimatologische Gedanken eine Rolle. Sind denn die Lawinenwarndienste an den gleichen Daten interessiert, oder wollen die eher auch mal sehen wo sich am meisten Triebschnee bei welcher Wetterlage in welchem Hang ablagert? Die Lawinenwarndienste werden dann den Schneehöhenmesser dementsprechend anders platzieren als eventuell der Wetterdienst. Dies ist immens wichtig. Die Sinnhaftigkeit von automatischen Schneehöhenmessungen im Gebirge hinterfrage ich ständig. Bin ich im Gelände unterwegs und vergleiche den gemessenen Wert mit der Umgebung, dann kommt mir schon manchmal das Grausen. Der Messort kann noch so geschickt ausgewählt sein, ich treffe in nächster Umgebung immer wieder Bedingungen an die weit von dem entfernt sind was mir der Schneehöhenmesser anzeigt. Klar kann es 30 Höhenmeter weiter oben und unten anders aussehen. Der Messwert ist, streng genommen, nur punktuell gültig. Jetzt kann man natürlich im Sinn der Lawinenwarndienste dagegen halten, wir wissen schon was wir messen. Klar die Warndienste wissen es und können es auch dementsprechend umsetzen und Prioritäten setzen. Doch kann es der „Wochenendberggänger“ ebenso, oder ist er mit dieser Form der Dateninterpretation weit überfordert? Ich möchte nicht falsch Verstanden werden. Es braucht für Profis viele und gute Messstationen um ein möglichst genaues Bild der Wetter- und Lawinensituation zu erhalten. Doch ich glaube auch, dass um ein möglichst umfangreichen Überblick von der Situation zu bekommen nur Messstationen allein nicht ausreichen. Der gut geschulte Beobachter, der im Gelände unterwegs ist, ist genauso wichtig. Sollte der normale Berggänger nicht mehr Zeit in die Interpretation des Lawinenlageberichts, sowie in den Wetterbericht, stecken als jeden Messwert für bare Münze zu nehmen.

    Vielleicht auch noch ein kleiner Gedanke zur Abstrahlung. Bringt mich den die „Eine“ Station wirklich weiter, nur weil sie minus 15° C Oberflächentemperatur zeigt, bei gleichzeitig plus 2°C Lufttemperatur. Schön das ich das weiss. Jetzt erkenne ich schon zu Hause, dass ich meine Harscheisen nicht zuunterst im Rucksack verstauen soll, sondern gleich dranmachen muss. So geht die noch knüppelhart gefrorene Querung der Südseite vielleicht besser und ich bin sicherer unterwegs. Oder ist es doch eventuell so, dass ich für die Jahreszeit ein falsches Tourenziel ausgesucht habe und ich noch eine Strohhalm suche der die Tour rechtfertigt. Alles schon selbst erlebt.

    Gut ist, dass ich meteorologische Daten vor Ort habe, aber die Entscheidung etwas zu machen sollte auch bei mir liegen. Ein Messwert mehr oder weniger bringt mir auch nichts, wenn ich es im Vorfeld schon verbockt habe.

    Nun noch was zur Schulung der angesprochenen Personen. Hier liegt natürlich der grösste Ansatzpunkt und vielleicht der grösste Mehrwert für jeden. Doch was heisst in diesem Sinne denn Schulung ganz genau?? Muss jeder Bergführer, Bergwachtler sowie Fachübungsleiter oder Wochenendbergänger die Grosswetterlage genau interpretieren können, damit er den Mehrwert der zusätzlichen Messstationen erkennt? Hier gehört schon einiges an Fachwissen dazu dies in Zusammenhang zu bringen. Mit einer Schulung am Wochenende ist da nichts erreicht. Es geht mit dem Wissen über die Grosswetterlage über Europa los. Dann wird im Kopf der Massstab geändert, hin zum Allgäu. Nun muss noch weiter runter geschaut werden, auf den zu besuchenden Berg usw. Dies ist schon recht anspruchsvoll. Die Jungs vom Wetterdienst gehen maximal bis ins Allgäu, aber weiter? Jedes Tal und jeden Berg schauen die sich nicht mehr an, die Zeit hat niemand. Aber jetzt kommt halt die Schulung ins Spiel. Der, der alles bis hierher interpretieren und einordnen kann, der kommt weiter und hat vielleicht auch mal mehr Glück bei der Auswahl seines Tourenziels. Doch mehr als einmal Glück ist vielleicht auch Können. Du schreibst und zeigst es ja immer wieder. Du weisst wohin bei Föhn, bei Nordstau usw. Aber hierzu bedarf es schon, wie weiter oben gesagt, einer gehörigen Portion Fachwissen über Meteorologie, Gelände usw. Die Schulung für Bergführer kann man da schon eher als notwendiger ansehen. Jedoch denke ich auch hier, dass vieles von der Interpretation der Wetterlage bis zur Beobachtung im Gelände, bei den Bergführern, automatisch und intuitiv abläuft. Die wissen schon wohin bei welcher Wetterlage usw. Aber das ist dann halt Erfahrung. Zusätzlich lässt sich die gesammelte Erfahrung dann halt noch mit Wissen verfestigen, wenn sie die Daten richtig interpretieren.

    So genug geschrieben. Ich bin ein Wetter- und Messdatenfreak und werde mir die Messstationen weiter genau anschauen und weiter meine Fallstudien über bestimmte Wetterlagen und deren Auswirkung auf kleinstem Raum machen. Macht halt auch Spass. Der Rest ist vielleicht mit etwas weniger Zufrieden und hat hoffentlich genau soviel Spass. Und das Wichtigste, hoffentlich eine unfallfreie Zeit im Gebirge. Wenn dazu die Messstationen mithelfen dann her damit und wir lernen das „Richtige Interpretieren“.

    Gruss Alex

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  2. Der Artikel hier richtet sich ja an „all jene, die sich intensiv mit der Materie Schnee, Wetter und Lawinen befassen.“

    Was ist das auch hier wieder für eine Logik, dass der Mensch durch ein mehr an Informationen sich selber gefährden soll? Ich teile zwar den tiefen Glauben an die Dummheit des Menschen, aber das ist doch etwas überzeichnet.

    Da ist es wohl sicherer zuhause 30 km entfernt in den Himmel zu schauen und dann seine Planung zu machen? Oder vom Wetterbericht der Tagesschau?

    Nur weil es das Gros nicht interessiert heißt das keineswegs, dass jeder mittelmäßig Denkfreudige oder Interessiere sich das intensivere Beleuchten von Sachverhalten vergrätzen lassen braucht.

    Oder soll vor jeden Artikel noch ein Disclaimer vorgeschaltet werden, wo noch auf den Lawinenlagebericht hingewiesen wird und dass man zuhause die Kaffemaschine ausschaltet und sich anschnallt bevor man in die Berge fährt?

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