Der „Lake-Effekt“über dem Bodensee

Das westliche Oberallgäu und der Bregenzer Wald gehören zu den niederschlagreichsten Regionen Mitteleuropas. So gilt Balderschwang  mit 2450 ltr/m²  pro Jahr als der niederschlagsreichste Ort Deutschlands. Damüls im Bregenzer Wald rühmt sich als der schneereichste Ort der Welt. Die Nord- und Weststaulagen am Nordrand der Alpen sind dafür überwiegend verantwortlich. Doch es gibt noch einen weiteren Effekt, der sich in den genannten Regionen zu Stau und Hebung dazu addiert.

Den „Lake-Effekt“  wie man ihn von den „Großen Seen“ in Nordamerika kennt, gibt es unter bestimmten Voraussetzungen auch über dem Bodensee. Das führt dazu, dass es in Sachen Schnee und Regen im Allgäu und Bregenzer Wald oft mal ein bisschen mehr sein darf.

Unter Lake-Effekt versteht man ein Wetterphänomen, dass besonders an großen See oder Binnenmeeren in den  Herbst- Wintermonaten auftritt und  für teils kräftige Niederschläge sorgt. Verantwortlich dafür ist eine kalte Luftströmung, die einen langen Weg über den See zurücklegt und reichlich Wasserdampf aufnimmt, sofern die Wassertemperatur deutlich höher ist, als die Lufttempertur. Es bilden sich Wolken, die in der einströmenden Kaltluft nur wenig Wasser speichern können. Sie verlieren das Wasser in Form von Regen oder Schnee. Unterstützt wird die Wolkenbildung durch sehr kalte Luft in höheren Luftschichten, wodurch die Luft einen zusätzlichen Antrieb zum Aufsteigen erhält.Je nach stärke der Luftströmung geht dieser Niederschlag noch über dem Gewässer nieder oder eben dort, wo die  Wolken hingetrieben werden.

Bei einer westlichen oder nordwestlichen Anströmung werden die niederschlagsschwangeren Wolken an die Berge des Allgäus und des Bregenzer Waldes gedrückt. Dort führen Stau und Hebung regelmäßig zu kräftigen Niederschlägen. Der  „Lake Effekt“ sorgt für noch mehr Wasser in der Luftströmung und somit addieren sich Stau, Hebung und eben der „Lake Effekt“

Im Frühwinter dieser Effekt für die Allgäuer und Vorarlberger Wintersportler oft ein Segen. Wenn nicht, wie so oft, eine milde Westströmung die weiße Pracht besonders am Alpenrand wieder dahinschmelzen lässt, was besonders die Berge am unmittelbaren Alpenrand betrifft.  So richtig profitieren regelmäßig die typischen Talschlüsse in der Leewalze der ersten Berge, wie Damüls, Balderschwang, Schröcken, Kleinwalsertal, die Oberstdorfer Täler und das hintere Ostrachtal.

Auch wenn die Aussage „Damüls als schneereichstes Dorf der Welt“  als Übertreibung der Tourismusmanager zu sehen ist, kann man doch feststellen, dass die oben genannten Orte selbst in den letzten schneearmen Wintern im alpenweiten Vergleich noch ganz beachtliche Schneemengen präsentieren konnten.

Den wirklich schneereichsten Ort der Welt findet man, wie nicht anders zu erwarten war in Japan und er heißt Sukuyu Onsen. Auch für diesen Schneereichtum ist der „Lake Effekt“ mitverantwortlich.

Das  nordalpine Niederschlagsmaximum vermute ich in dieser Region auf der Nordwestseite des Hohen Ifens. Irgendwo zwischen Schönenbach, Hirschgund und Rohrmoos. Von dort liegen jedoch keine Messdaten vor.

 

Beispiel vom 10. August 2016.

Zeitraffer des Niederschlagsradars über dem Bodensee bei westlicher Anströmung. Immer wieder bilden sich über dem See kräftige Schauer. Östlich von Innsbruck ist die abziehende Kaltfront noch zu erkennen. Danke an Lukas für das Video

Die Lufttemperatur lag am Morgen des 10.8. in Bregenz bei ca. 12 Grad, die Wassertemperatur bei 23 Grad. Die Anströmung kam von Westnordwest.

Zamg Wetter Vorarlberg.jpg
Wettervorhersage der ZAMG vom 9.8.2016 für den 10.8. Nach einer sommerlich warmen Wetterphase strömt polare Kaltluft an die Alpen.
Zamg Niederschlagsradar Bodensee
Niederschlagsradar vom 10.8. ca. 7.00 Uhr. Die Vorhersage der Zamg war zutreffend. Über dem  See hat sich Starkregen gebildet. Bei einer stärkeren Strömung würde sich das Gebiet mit dem stärksten Niederschlag weiter in die Berge südlich von Oberstdorf verlagern
Zamg Niederschlagsradar Bodensee 2
Etwa eine Stunde später
analyse.jpg
Die Wettersituation über Europa am 10.8.2016. Eine Kaltfront ist über die Alpen hinweggezogen. Polare Kaltluft fließt von Norden gegen die Alpen

Links:

Guter Bericht auf Powderguide

Wikipedia

 

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2 Kommentare zu “Der „Lake-Effekt“über dem Bodensee”

  1. ja dann brauchen sich die balderschwanger keine sorge um die zukunft machen, schnee kommt mit dem lake effekt zuhauf.
    nur der liftzirkus fehlt noch. dafür gibt es einen heimatminister bonus.
    was brauchts noch ?

    mfg
    hermann

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