Zelten in den Allgäuer Alpen – Teil 2

Das Thema „Zelten in den Allgäuer Alpen“ geht in die nächste Runde. Am 20.8.2016 erschien in der Allgäuer Zeitung ein Artikel zu diesem Thema. Besonders in Verbindung mit einem wohl zufällig daneben stehenden Artikel „Engagiert für den Bergwald“ tauchen einige Fragen und Widersprüche auf. Ob das Zelten und Biwakieren erlaubt oder verboten ist, lässt sich nicht mit einem schlichten JA oder NEIN beantworten. Deshalb habe ich im letzten Sommer dazu einen Bericht verfasst, der darüber Auskunft gibt. Das nun, lt. der Allgäuer Zeitung mehrere Bußgeldbescheide zwischen 100 und 500 Euro verhängt wurden zeigt, dass Aufklärung Not tut. Eigentlich wäre das ja Aufgabe des Alpenvereins hier aufzuklären und Lobbyarbeit für die Bergsteiger zu machen, aber der schweigt sich zu diesem Thema lieber aus.

Aufruf zu einem verträglichen Verhalten.

  • haltet euch ein die erlaubten „felsigen oder felsnahen Bereiche“!
  • bereitet das Biwak erst vor dem schlafen gehen vor und baut es am Morgen gleich wieder ab!
  • unauffällig verhalten! Ist Regen oder starker Wind nicht zu erwarten, auf das Aufstellen eines Zeltes verzichten!
  • kein Feuer machen, Müll wieder mitnehmen, ruhig verhalten!
  • Keine Sachbeschädigungen an Zäunen, Hütten usw. Wer den Alphirten Feuerholz klaut, Zaunpfähle verbrennt, der gehört auch angezeigt und zwar wegen Diebstahl und Sachbeschädigung.
  • Wenn jemand Stress macht, ruhig aber bestimmt auf die Rechtslage hinweisen (Das setzt natürlich voraus, dass man sie kennt und auch beachtet)

 

Ein paar Zitate aus dem besagtem  Artikel  (vollständige Fassung in der Printausgabe vom 20.8.2016)

AXXXXXX SXXXXX (Gutsverwaltung Hinterstein) hat vor Kurzem in der Früh um 7.00 Uhr 15 Zelte am Engeratsgunder See angetroffen. Ich habe mit jedem Einzelnen gesprochen und ihm gesagt, dass zelten im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen verboten ist.

Interessante Einstellung:Wenn jemand, der selbst Hochsitze und Jagdhütten in eben diesem Naturschutzgebiet hat, sich an den Zelten reibt.

Es ist nicht das Zelten allein, was SXXXX in Rage bringt. Zaunpfähle, die die Älper zum Einzäunen von Weidevieh brauchen, seien als Feuerholz benutzt worden

Ganz klar, das geht gar nicht. Das ist Diebstahl und Sachbeschädigung

Eine weidende Kuh sei von Fremden einfach gemolken worden

🙂 :-). Das zweifel ich an. Ohne entsprechende Kenntnisse, wie man eine Kuh anfasst, kommt da kein Tropfen Milch heraus. Man bekommt höchstens einen versch…. Kuhschwanz ins Gesicht oder einen Tritt.

Das liege auch an den „Muliplikatoren im Internet“sagt HXXXXX XXXX, Gebietsbetreuer vom Landesbund für Vogelschutz. Der Schrecksee sei auf einem beliebten Internetportal als einer der schönsten Seen in Alpengebiet prämiert worden.

So ein Juwel vor der Haustüre. Darauf können wir Hindelanger stolz sein. Oder sollen wir rechtswidrig darauf dringen, dass die Prämierung zensiert wird?

Tagsüber seien im Sommer eh schon viele Wanderer unterwegs „und nicht mal nachts haben die Tiere mehr ihre Ruhe“ beklagt der Vogelschützer.

Nicht ganz von der Hand zu weisen, aber warum beklagt der Vogelschützer nicht die Aktivitäten des Herren von der Gutsverwaltung Hintersten? Der ist nämlich Jäger, hält sich ebenfalls  (wie auch der Vogelschützer) in der Dämmerung oder nachts in der freien Natur auf und stört die Ruhe der Tiere als Jäger  noch viel gravierender. Wir hier etwa mit zweierlei Maßstab gemessen?

XXXX weißt auf die hervorragende Möglichkeit hin, im Gebirge zu übernachten und zwar auf Berghütten des Alpenvereins

Tja, vollgestopfte Massenlager,  räumlche Enge  und gar nicht mehr so günstige Preise sind sicher nicht hervorragend. Hervorragend ist das höchstens,  für den Bergführer mit einer Gruppe Fernwanderer, Freunde des Wirtes oder bei schlechtem Wetter unter der Woche. Seltsamer Tipp von jemanden, der selbst biwakiert.

Im nebenstehenden Artikel „Engagiert für den Bergwald“ heißt es unter anderem.

„Sie (Anm. die Jugendlichen) üben Fährten und Spuren lesen, am offenen Feuer zu kochen und zu schnitzen“.. erklärt KXXXXXXX, Leiter des Forstbetriebs Sonthofen

Ersteres geht nur abseits der Wege. Wie passt das mit der im Bericht  auf der selben Seite geforderten Ruhe für das Wild zusammen? Im einen Bericht wird das Feuer machen kritisiert, im anderen bringt man es den Jugendlichen bei.  Hoffentlich waren das keine externen Jugendliche, den Externe scheint er nicht zu mögen, da sie eine Störquelle für das Schalenwild darstellen.

externe Kletterer Kleiter

Fazit:

Wer sich angemessen ruhig verhält und keine Spuren hinterlässt soll  dieses beeindruckende Erlebnis des Übernachtens in der Natur auch geniessen dürfen. Eine eigenverantwortliche Ausübung des Biwakierens , mit oder ohne Zelt, ist  eine wertvolle Grunderfahrung für’s Leben  eine Möglichkeit zu zu lernen, warum diese alpine Landschaft so wertvoll ist. Eine Möglichkeit, die Menschen der Natur näher zu bringen. Denn nur was man kennt, das liebt man und was man liebt, das schützt man.

Statt auf Verbote zu pochen, sollten Landratsamt, Gemeinden, Grundbesitzer und der Alpenverein ein naturverträgliches Übernachten in den Allgäuer Alpen ermöglichen.

Maßregelungen und Klagen von Leuten die entweder selbst biwakieren oder in Jagdhütten und Hochsitzen selbst die Nacht in der Natur verbrigen, sind entbehrlich und können nicht ernst genommen werden.

Lösungen:

Wie so oft erschließt ein Blick  über den Tellerrand hinaus Lösungsansätze und erweitert den geistigen Horizont. Wie in den französichen Nationalparks sollte ein einfaches Zeltbiwak z.B. von 19.00 Uhr bis 9.00 Uhr erlaubt sein. An touristischen Brennpunkten, wie dem Schrecksee oder dort, wo ein Biwak einen Konflkt mit der Alpwirtschaft oder dem Artenschutz darstellt, besteht die Möglichkeit spezielle  Flächen als Biwakplätze auszuweisen und auch eine Wasserstelle und ein Plumsklo zu errichten. So wie in den kanadischen Nationalparks. Müll zurücklassen, Sachbeschädigung und Diebstahl sind auch dort zurecht verboten und können bestraft werden.

Parkregeln Biwak
Regelungen in einem französischen Nationalpark. Ein Zeltbiwak ist von 19.00 bis 9.00 Uhr erlaubt. Dafür verhindert ein Jagdverbot wirkungsvoll eine Beunruhigung des Schalenwildes.

 

Links:

Artikel in der Allgäuer Zeitung. Ungekürzte Fassung in der Printausgabe vom 20.8.2016

Weiterer Artikel in der Allgäuer Zeitung vom 30.8. 2016. In der Printausgabe kam auch ein Bergsteiger zu Wort

Eine Zusammenfassung, wie man legal in den Allgäuer Hochalpen übernachtet und was man unterlassen sollte.

Erscheint in Kürze: Was tun, wenn man beim Schwarzklettern, Zelten oder verboten Abfahrten erwischt wurde.

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6 Kommentare zu “Zelten in den Allgäuer Alpen – Teil 2”

  1. Ein prinzipielle Erlaubnis öffnet Tür und Tor. Das Problem ist nicht das eine Zelt, wenn ein oder zwei Leute
    mal in den Bergen biwakieren und auch nicht der Jäger der seine Runden dreht und auf den Hochsitz steigt.
    Das Problem ist wie so oft die Vielzahl, die sich an schönen Tagen bzw. Nächten an diesen „Hotspots“ aufhält.
    Kein Mensch kann mir erzählen, dass das ohne Lärm, zurückgelassenen Abfall und auschließlicher Benutzung von
    Plumpsklos (die keiner benutzt weil sie keiner putzt) abgeht. An so was gewöhnen sich Tiere auch nicht, im
    Gegensatz zu einer mehr oder weniger bimmelnden Herde von Schumpen, die auch bei schlechtem Wetter über Tage
    da oben sind. Was sollte denn der Vergleich?
    Ich vestehe diese trotzigen Umfragen nicht, die schon in ihrer Formulierung nicht objektiv sind. Der Trend der
    letzten Jahre zeigt doch eindeutig, dass immer mehr Veröffentlichungen auch immer mehr Leute anlocken. Das müssen
    doch auch diejenigen mitgekriegt haben, die gerne Werbung für die Berge (oder auch für sich) machen.
    Was soll dann das gemeckere, wenn es nun Leute gibt, die diesen Trend erkannt haben und vor allem seine negativen Folgen
    verhindern wollen ? Wenn ich am Schrecksee ankomme und Leute mit dem Schlauchboot drauf rumfahren sehe und außenrum
    etwa 5 Zelte stehen, dann denke ich schon, dass es dafür geeignetere Plätze gibt. Aber jeder will heutzutage halt was
    „cooles“ machen. Ganz ohne Regeln geht es einfach nicht und schwarze Schafe oder eine Anhäufung von Menschen führen
    in der Regel zur Verschärfung derselben. Man darf auch mal wieder Kant und seinen „Kategorischen Imperativ“ lesen.

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    1. Es geht hier doch um das mit zweierlei Maß messen. Was stört ein Reh wohl mehr: Ein lauter Teenager, der auf dem Schrecksee mit seinem knallroten Gummiboot rumschippert, oder ein Jäger der es schlicht und ergreifend ermordet? Im paradoxen Deckmantel des Naturschutz wohlgemerkt (Stichwort „Verbiss“, „Ausbreitung von Tollwut verhindern“ oder das auch immer wieder gern verwendete „Regulierung der Wildtierbestände“ – mehr Jagdlügen nebenbei hier: http://www.lusttoeter.de/news/jaegerluegen/index.html).
      Wenn mir ein unabhängiger und von keiner Lobby beeinflusster Wildtierbiologe, Ornithologe oder anderer Artenschützer in einer wissenschaftlich fundierten Studie zweilfelsfrei aufzeigt, dass sich die Bestände einer bedrohten(!) Art in einem Gebiet ohne menschliche Präsenz erholen würden, dann wäre ich ich nicht nur für schärfere Betretungsregeln, sondern auch für ein kategorisches Betretungsverbot des relevanten Gebiets. Aber NUR dann, wenn es ALLE Menschen betrifft. Also auch jene, die die Tiere abballern äh die Bestände regulieren…
      ALLE schließt übrigens sowohl die „externen“ (die als finanzielle Touri-Melkkühe erstaunlicherweise gerne in Gastro & Co. gesehen werden…), als auch Einheimische mit ein.
      Ein klares JA für Naturschutz! Dann aber:
      1. Wissenschaftlich fundiert und
      2. nicht als Deckmantel für egoistische (und in den meisten Fällen für echten Naturschutz gar schädliche) Interessen!

      Gefällt 1 Person

  2. Schaut euch mal den neuen Weg zur Haseneckalpe an. Wieviel Boden und Natur wurde da kaputt gemacht. Und sich dann über ein paar Zelte aufregen… Lächerlich.. Bergsteigerdorf Bad Hindelang … Der Weg ist ein einziges Geröllfeld- eine Zumutung für jeden Naturfreund

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    1. So ist es… Hindelang schafft es dank maßlosem abgreifen von Zuschüssen auch den letzten Handtuchbreiten Wanderweg zur Autobahn für Jagd und Forst umzugestalten.
      Der Weg auf die Rotspitze ist mittlerweile auf allen Seiten kaputtsaniert… bin gespannt wann der Jägersteig runter nach Bruck sterben wird… Bravo ihr Tourismusexperten…. so macht Bergsteigen Spaß.

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  3. Ich war im August ’15 am Schrecksee. Für unser zeltloses Biwak haben wir uns weit entfernt in den felsnahen Bereich zurückgezogen und ich war ehrlich gesagt sehr angefressen über das in meinen Augen rücksichtslose und dumme, ‚tschuldigung, Pack, das rund um den See und auf der Insel seine Zelte aufgeschlagen hatte und Party machte.

    Ich war auch erstaunt, vielleicht sehr naiv, über die Tatsache dass am See und auf den umliegenden Gipfeln bis spät Nachts Halligalli ist. Unten am See Partyvolk, oben auf den Gipfeln trailrunner. Nicht einer oder zwei sondern eher ein Dutzend, noch abends um 21.00, 22.00 Uhr.

    Am frühen morgen zeigte sich dann tatsächlich das erste Tier seit 24 Stunden das größer als ein Spatz und kein Mensch war: eine Gemse lugte vom Gipfel des Älpelekopfs zum Schrecksee hinunter. Sollte sie mit dem Gedanken gespielt haben dort ihr morgenessen einzunehmen mit einem Schluck kühlen Wassers so hat sie den jedenfalls umgehend verworfen. Sie marschierte einmal um den Gipfel und überliess dann die Gegend für die nächsten 23,5 Stunden wieder uns Menschen.
    Das kann nicht im Sinne des Erfinders sein.

    Eine Hütten-Übernachtung im Sommer zusammengepfercht mit furzenden und betrunkenen „Bergfreunden“ oder in einem „Berghotel“ mit Gourmetessen und zugunsten auch eines vollkommen aus der Spur gekommenen DAV kommt für mich auch zukünftig nicht in Frage.

    Ich freue mich deshalb umso mehr dass es, auch im Ton was mir leider schwerfällt, besonnene Zeitgenossen wir Kristian gibt die pragmatische Lösungen anbieten.

    Insbesondere den Vorschlag ausgewiesener Stellplätze und nur für einen begrenzten Zeitraum finde ich super.

    Ganz besonders möchte ich mich für den Einsatz für „freie Berge“ bedanken der allen zugute kommt insbesondere aber denen, die sich nicht dem Massentourismus anschliessen mögen, bisweilen nicht können und oft genug im Tourismusangebot einfach nicht finden können was sie brauchen. Der Ausblick ist düster genug, Jahr für Jahr spuckt allein die FH Kempten Tourismus- und Eventmanagernachwuchs auf den Markt die alle ihr erworbenes Wissen anwenden und zu Geld machen wollen. Geld macht man aber nur im großen Maßstab. Die Idee der Bersteigerdörfer ist mir deshalb noch nicht ganz klar, wird hier doch versucht zwei gänzlich gegensätzliche Ziele unter einen Hut zu bringen.

    Danke für das klare aufzeigen der Zusammenhänge, danke für den Einsatz und danke für die tolle und informative Homepage.

    Allen noch einen schönen Tourenwinter ohne üble Biwak-Überraschungen und entschuldigung für den langen Text eigentlich wollte ich mich nur bedanken 😉

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