(Steil)- grastouren

Steilgrastouren stellen eine besondere Spielart im Alpinismus dar. Irgendwo zwischen Wandern, Klettern und Hochtour gelegen, kann man die Grastouren am ehesten dem klassischen Bergsteigen zuordnen. Typisch für solche Steilgrasberge ist die Lage in Niederschlagsreichen Regionen, der geologische Aufbau aus sog. „sauren Sedimenten“ * und die schlechten, oder ganz fehlenden Sicherungsmöglichkeiten.  Nachfolgend ein paar Eindrücke.

Höferspitze und Heiterberg

Es muss nicht immer steil sein.   Die Höferspitze oberhalb des Hochtannbergspasses lässt ich im Zuge einer gemütlichen Wanderung erreichen

Höferspitze

Eine ganze Stufe schärfer präsentiert sich der nörlich benachbarte Heiterberg

Heiterberg

Gleich noch mal eine Steigerung.  Der Älpelekopf nördlich des Heiterberg.

Blick vom Heiterberg

Link zur Tour

Brienzer Grat

Schwierig ist er nicht, der Brienzer Grat. Eigentlich nur eine Wanderung im Grünen. Aber lang… sehr, sehr lang und konditionell fordernd. Selbst dann noch, wenn man für den Zustieg und den Abstieg  nostalgische Bergbahnen benutzt.  Einzigartig ist der Blick auf die Berner 4000er und der Tiefblick zum Brienzer See.

Einmalig: Der Tiefblick zum Brienzer See
Einmalig: Der Blick auf die Berner 4000er
Historisch: Die alte Zahnradbahn auf das Brienzer Rothorn überwindet in einer Stunde gut 1.600 Höhenmeter und verfeuert pro Bergfahrt 300 Kilo Kohle. Heilige Greta!

Link zur Tour

und noch einer

Höfats – der Klassiker

Spricht man von Steilgrastouren denkt man zuerst an die Höfats. Wohl kein anderer Berg ist typischer für diese Spielart im Alpinismus. Von der Schwierigkeit liegt der Aufstieg zum Ostgipfel für trittsichere Bergsteiger noch im Wohlfühlbereich (T4 und eine Stelle II). Die klassische Grastour schlechthin ist jedoch die Überschreitung aller Gipfel ((T5 und bis III)

Der Blick zur Höfats

Link zur Tour

 

Giebelgrat

 

Der Giebelgrat ist eine relativ unbekannte Steilgrastour im hintersten Ostrachtal. Sie ist vom Giebel bis zum Salober etwas leichter einzustufen, als die Höfatsüberschreitung. Die gesamte Gratüberschreitung bis zum Schneck ist mit reichlich alpinen Schikanen gespickt und wird so gut wie nie durchgeführt, da der Südabbruch des Salobers nur mit Abseilen zu überwinden ist und die Nordwand des Schnecks Kletterei im V. Grad ohne vernünftige Sicherungsmöglichkeiten verlangt. Wer allerdings unter großräumiger Umgehung des Saloberabbruchs erneut zum Grat aufsteigt und diese vor der Schneck Nordwand ostseitig wieder verlässt kommt mit einem scharfen IIer und T6 davon.

Im Hintersteiner Tal am 24.4. Wie jedes Jahr wird auch heuer der Große Wilde die letzte Möglichkeit bieten, mit den Skiern unterwegs zu sein.
Erste Schlüsselstelle gleich nach dem Giebel
Bärgächtle

Pleisspitzen im Schatten der Wetterspitze

Eine spannende Steilgrastour befindet sich nordöstlich der Holzgauer Wetterspitze. Mit einer kurzen Stelle II-III, viel IIer Gelände und anhaltend exponierten Gehgelände in etwa mit der Höfatsüberschreitung gleichzusetzen. Mit dem Unterschied, dass es hier nirgends Trittspuren gibt. Man folgt der Beschreibung des alten AV-Führers und umgeht damit den Übergang vom Mittel- zum Westgipfel mittels heikler Querung durch die Südflanke

Der Etlerkopf von der Östlichen Pleisspitze. Rechts unten der Mittelgipfel. Die Westliche Pleisspitze liegt direkt vor dem Etlerkopf und hebt sich auf diesem Bild nicht ab.
Der Mittelgipfel (links) lässt sich leichter erklettern, als es auf diesem Bild erscheint.
Allgegenwärtig: Die Holzgauer Wetterspitze
Kontraste: Mit Erreichen des Etlerkopfes hat man das Steilgras hinter sich. Der flache Gipfel des Pleiskopfs prägt das Landschaftsbild
Die drei Pleisspitzen von Süden. Nach der Mittleren steig nach rechts zurück in die Scharte vor der Ölstlichen und quert durch die Südflanke bis man durch eine Rinne links im Bild zur Scharte westlich der Westlichen Pleisspitze aufsteigen kann. Zumindest beschreibt es der AV-Führer so und daran habe ich mich gehalten.

 

Rotwand und Pfeilspitze- Höfats des Lechtals

Die Elmer Rotwand ist so etwas wie „Höfats des Lechtals“. Der Aufstieg von Elmen ist ähnlich dem Aufstieg auf den Höfats Westgipfel. Die Überschreitung zur Pfeilspitze  ist im Gras ähnlich, im Fels etwas leichter als die Höfats Überschreitung. Wer an der Höfats Überschreitung gefallen findet, der ist auch hier richtig. Wer es leichter mag, dem sei die Überschreitung der drei Kreuzspitzen von Bschlabs zur Stablalm und nach Elmen empfohlen. I-II, T5-6

Diesen Hinweis sollte man ernst nehmen
Tiefblick zum Stablsee
Rückblick zur Rotwand und zur Pfeilspitze

Link zur Tour

Drei Festen – die anpruchsvollen.

Diese Tour zeichnet sich durch überwiegend schlechten Fels, steiles Gras und schlechte oder meist ganz fehlenden Sicherungsmöglichkeiten aus.  Die einmalige Landschaft und die grandiose Linie rückt deshalb in den Hintergrund. IV (Stellen) II-III und T6 (anhaltend). Wegen des hohen Gefahrenpotentials gibst dazu von mir keine weiteren Informationen.

Fellhorn – leicht und erschlossen

Die Wanderung über das Fellhorn ist genau das Gegenteil der Drei-Festen-Überschreitung. Kurz, bequem und leicht. Mit Seilbahnhilfe  erreicht man bequem den Gipfel. Die Überschreitung zum Söllereck bietet grandiose Ausblicke und ist frei von alpinen Gefahren aller Art. T1-2.

Link zur Tour

Plankenspitze – leichter als erwartet.

Die scharfen, dunkel gefärbten Kanten der Plankenspitze sind das Schaustück des Panoramas des Württemberger Hauses. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, zieht des dessen Besucher nicht auf die umliegenden Gipfel, die für die meisten lechtaltypischen Hüttenwanderer eh ungeeignet sind. Von anderen Perspektiven aus, steht unsere Plankenspitze ganz im Schatten der ungleich eleganteren und zudem leichteren Silberspitze.

Die Zustiege sind sowohl von Norden als auch von Süden lang und mühsam. Doch wer vielleicht irgendwann mal (fast) alle Gipfel und Zacken der Allgäuer und Lechtaler Alpen bestiegen haben möchte, der muss irgendwann einmal dorthin.

Link zur Tour

Kreuzeck und Rauheck – lang und leicht

Diese beiden Grasberge südöstlich von Oberstdorf lassen sich leicht auf markierten Wegen überschreitungen. Entweder im Zuge einer Allgäu-Durchquerung oder als straffe Tagestour von Oberstdorf.

Schöne Wanderung im Spätherbst mit dem Krottenkopf im Hintergrund
Beim Abstieg über den Kegelkopf präsentieren sich die Krottenspitzen von ihrer schönsten Seite

Link zur Tour

 

Rappenköpfle- Der Giftzwerg über dem Rappensee

Wer allgäu-typisches Steilgras, gewürzt von kurzer, brüchiger Kletterei nicht scheut, dem bietet sich dieser Gipfel als eindrucksvoller Schlussakt der Rappenseeumrundung an. Oder aber auch als relativ kurze Nachmittagstour, sofern man den Zustieg mit dem Bike abkürzen kann.

Link zur Tour

Kleine Höfats – Noch so ein Giftzwerg

Kleine Höfas

Sie steht im Schatten ihrer viergipfligen großen Schwester. Die Überschreitung über den Nordgrat ab dem Seilhenker und den Abstieg über den Nordostgrat ins Oberloch ist aber heikler und diffizieler als die klassische Höftsüberschreitung. Noch anspruchsvoller ist die Überschreitung zum Mittelgipfel der Großen Höfats.

Die Kleine Höfats mit herbstlich verfärbtem Grasmantel. ImBild der Nordgrat, über den die Aufstiegsroute führt. III

Rädlergrat

Der Rädlergrat hat inzwischen auch Eingang in „Pauses Extremen Fels“ gefunden. Meine erste und einzige Begehung war im Jahr 1995.

Früher war dieser Grad wegen seiner klettertechnischen Schwierigkeiten berüchtigt, heute eher wegen dem nicht absicherbaren Zustieg im bis zu 70 Grad steilen Gras. Heute  gibt es viele Bergsteiger, für die ein alpin, mit Schlaghaken abgesicherter 6er keine besondere Herausforderung mehr darstellt. Nach wie vor eine sehr ernste Tour. So etwas wie die Meisterprüfung für einen Allgäuer Bergsteiger. Mir reicht ein mal.

Link zur Tour

und noch einer

 

Ein Gedanke zu „(Steil)- grastouren“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s