Die Höfats – im „Allgäuer Granit“

Blick man vom Nebelhorn nach Süden, so sticht sie trotzt Ihrer geringen Höhe sofort ins Auge. Mit Ihrer dunkelgrünen, ja fast schwarzen Nordwand wirkt sie wie ein Fremdkörper in dem sonst grau-weiß-grünen Gipfelmeer der Allgäuer Alpen. Ein Kletterberg?? Nein- sicher nicht. Ein Berg zum Wandern? Auch nicht, dafür sind ihre, fast vollständig mit einem Grasmantel überzogenen Flanken einfach zu steil. Klassische Bergsteiger sind es, die der Höfats noch hier und da ihre Aufwartung machen. Und natürlich die Einheimischen, die auf der Suche nach einer abgestürzten Gämse oder einem Edelweiß als Hutschmuck für den nächsten Heimatabend ihre Flanken durchstreifen.
Trotzdem:  Der Edelweisßbestand ist an der Höfats schon lange nicht mehr gefährdet.Hoefats Gerstruben
Kommerzielle Blumenräuber, die in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts  die an der Höfats zur Rekordgröße heranwachsenden Edelweiss an zahlungskräftige Touristen in Oberstdorf verkauften sind schon lange kein Thema mehr. Ob dies dem seit den 30er Jahren in den Sommermonaten von der Bergwacht besetzten Naturschutzposten zu verdanken ist, oder dem gesteigertem Wohlstand der andere Verdienstmöglichkeiten eröffnet, mag dahingestellt sein.

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Die Biwakschachtel der Bergwacht bei der „Gufel“

Auf häufigsten wird der Ostgipfel vom Älpelesattel aus bestiegen (II). Klassisch hingegen ist der Aufstieg zum Westgipfel mit anschließnder Überschreitung zum Ostgipfel  (III). Hin und wieder wird noch der Südwestgrat zum Westgipfel begangen. (IV)

Bleiben dann noch die schwierigen Höfatsanstiege, wie z.B. die 1934 von Stolze und Prinz eröffnete Nordwand zum Zweiten Gipfel. (VI -VII) , welche erst vor wenigen Jahren ihre Zweitbegehung erhielt und seit dem hin und wieder Besuch erhält.
Diese Führen haben mangels vernünftiger Sicherungsmöglichkeiten nie die Berühmtheit anderer Extremtouren erlangt.

Die Höfats, also ein Denkmal des heroischen Alpinismus? Wohl kaum; eher ein einzigartiges, schützenwertes Naturdenkmal.

Die klassische Überschreitung zählt zu jenen Touren, die ich jährlich durchführe. Oftmals unter der Woche am Abend. Mit guter Ortskenntnis sollte es im Juni und Juli zeitlich ausgehen, dass man vor Einbruch der Dunkelheit das leichte Wandergelände am Älpelesattel erreicht. Der Lohn für dieses antizyklische  Zeitmanagement ist die herrliche Abendstimmung auf den schmalen Graten.

Ein besonders Schmankerl ist die kurze Nordkante des Ostgipfels. Ausnahmsweise richtig guter, steiler und griffiger Fels. Ein Genuß-IIIer. Dabei außergewöhnlich exponiert.Hoefats 1

Hoefats mitte
Die Querung unterm „Zweiten Gipfel“
Hoefats 11
Aufstieg zum Mittelgipfel
Ostgipfel 2
Die letzten Meter zum Ostgipfel

Ostgipfel Mittelgipfel

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Luft unter den Sohlen
Abstieg Og
Allgäuer Mädels gehen die Überschreitung auch in Turnschuhen. Bleibt man auf dem Pfad ist das bei trockenen Verhältnissen vertretbar.
Rädlergrat
Blick auf den Rädlergrat
Gr. Wilder
Sonnenuntergang auf dem Ostgipfel. Blick auf die Wildengruppe
Kleiner Wilder
Kleiner Wilder und Höllhörner

Ein Wermutstropfen: Seit der Bergwachtposten nicht mehr besetzt ist, verfällt der Steig dorthin zunehmend. Ohne gute Ortskenntnis dieser kaum noch zu finden.

Wäre es nicht eine sinnvollere Aufgabe für den Alpenverein oder auch die allgäuer Touristiker, diese alten Steige zu erhalten, anstatt sich sich immer neue und meist dämlichere  Attraktionen einfallen zu lassen?

Egal: Ich weiß ja wo es lang geht und nicht Ortskundige sollen den Steig wohl gar nicht finden.

Der Beginn des Steiges: 

Man verlässt den Fahrweg im Dietersbachtal unmittelbar nach dem „Inneren Höftstobel“ und folgt am,  in Aufstiegsrichtung rechter Bachseite“ den schwer kenntlichen Steigspuren etwa 100 Höhenmeter. Hier wird der „Innere Höfatstobel“ links gequert. Spätestens hier sollte man den Steig gefunden haben.

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Die Querung unmittelbar nach dem „Inneren Höfatstobel“ Ganz schwach erkennbar der Pfad in der Bildmitte.

Den weiteren Verlauf entnehme man nachstehenden Bild:

hoefats mit Route
Die Route auf den Westgipfel der Höfats vom Kegelkopf. Im Kreis die Biwakschachtel der Bergwacht

Karte: Alpenvereinskarte Allgäuer-Lechtaler Alpen West 2/1 FührerAlpines Allgäu,    Alpenvereinsführer Allgäuer Alpen    Hütten:  keine

Ausrüstung:  Mountainbike, Bergschuhe mit denen man im Steilgras gut stehen kann.

Höhenunterschied: ca. 1500 m ab Parkplatz Renksteg

Schwierigkeit: im Fels Stelle bis III,  einige Stellen II, überwiegend extremes Gehgelände und im Gratbereich sehr exponiert. Zustieg auf nicht markierten, zunehmend verwachsenen Pfad. T5-6 nach SAC Wanderskala. Durchwegs potentielles Absturzgelände

Geeignet für wen? Routinierte Bergsteiger die den angegebenen Schwierigkeitsgrat im Aufstieg und im Abstieg ohne Seil bewältigen können. Lehrbuchmäßiges Sichern ist in der Regel nicht möglich.

Hinweis zu den Bildern:

Diese entstanden in den Jahren 2008 bis 2015 jeweils im Juni oder Juli zwischen 17 und 21.30 Uhr.

 

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3 Kommentare zu “Die Höfats – im „Allgäuer Granit“”

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